Ratgeber-Autor

Thomas Henrich

Projektleiter

Commerz Real AG

Aktien oder Immobilien? Tipps für Ihre Entscheidung

Wohin mit meinem Geld – Aktien oder Immobilien? Gerade in einer Krisensituation wie heute möchte man die richtige Entscheidung treffen. Dabei möchte ich Ihnen helfen und habe dazu ein paar Informationen zusammengetragen, die Ihnen Orientierung in der aktuellen Verunsicherung bieten sollen.

Die wichtigste und einfachste Regel des Geldanlegens verrate ich Ihnen gleich zu Anfang: keine Rendite ohne Risiko! Wo es "nur" gleichmäßige, kleine Renditen gibt, werden auch Ihre Verluste selten und überschaubar bleiben. Wo dagegen große Zahlen locken, kann es genauso heftig abwärts gehen. Lassen Sie sich niemals – wirklich niemals – etwas anderes weismachen.

Aktien, Immobilien

– auf jeden Fall ein guter Anfang

Fachleute erwarten noch einige deutliche Schlingerbewegungen, bis der Kapitalmarkt wieder in ein ruhigeres Fahrwasser findet. Dennoch lehrt die Erfahrung, dass Sachwerte wie Aktien und Immobilien sich bislang nach jeder Krise langfristig erholt haben. Damit auch Sie gut vorbereitet sind, hier zunächst

5 Faustregeln für das Überleben im Kapitalmarkt

  1. Unwissen ist der größte Risikofaktor bei Geldanlagen. Es gibt gute, einfache Produkte für Einsteiger. Auch da braucht es jedoch Grundkenntnisse, um falsche Erwartungen zu vermeiden.
  2. Finger weg von "heißen Tipps" aus fragwürdigen Quellen! Seriöse Informationsquellen vermeiden solche Aufhänger. Wer wirklich gute, ungewöhnliche Tipps hat, verwendet sie für sich selbst. Das gleiche gilt übrigens für Untergangs-Propheten: Auch Warnungen sind oft einfach eine Verkaufsmasche.
  3. Legen Sie nicht alle Eier in einen Korb: Risiko senken durch eine Verteilung auf verschiedene Anlageinstrumente ist die einfachste Form, Ihr Kapital zu schützen.
  4. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Euphorie auch. Denken Sie rational, machen Sie sich einen Plan (Was kaufen? Wie lange halten? etc.) – und halten Sie sich daran. Die immer noch einfachste Anlagestrategie ist die passive: Suchen Sie Ihre Geldanlage sorgfältig aus und lassen Sie sie danach möglichst viele Jahre in Ruhe.
  5. Vergessen Sie die Kosten nicht. Viele Anlageangebote stellen vor allem die Bruttorendite dar. Dahinter steckt keine böse Absicht: Nur Bruttorenditen erlauben den Vergleich unterschiedlicher Angebote. Was Sie selbst dann netto erhalten, können auch nur Sie selbst ausrechnen – zu unterschiedlich sind Depot- und Ordergebühren, Steuern sowie Nebenkosten aller Art. Bei einem Immobilienkauf rechnet man zum Beispiel mit bis über 15 Prozent des Kaufpreises. Bei der Kalkulation für Realimmobilien gerne vergessen werden außerdem Rücklagen für Instandhaltung und Mietausfall.

Welche Möglichkeiten bieten Aktien und Immobilien nun konkret? Da gibt es eine ganze Menge, und für sehr unterschiedliche Ansprüche.

Aktien

– der Klassiker im Börsenhandel

Mit Aktien besitzen Sie einen gewissen – meist sehr kleinen – Anteil an einem Unternehmen. Renditen können dabei auf zwei Wegen entstehen: 

  • Erwirtschaftet das Unternehmen Gewinne, kann es Dividende ausschütten. 
  • Ebenfalls können Aktien im Kurs steigen, was bei Verkauf zu einem Gewinn führt. Wenn allerdings der Kurs fällt, entstehen beim Verkauf umgekehrt auch Verluste. 

Man unterscheidet außerdem zwischen Stamm- und Vorzugsaktien. Inhaber von Stammaktien sind Gesellschafter und können bei Hauptversammlungen mit über die Unternehmenspolitik abstimmen. Anleger mit Vorzugsaktien haben kein Stimmrecht, erhalten dafür aber etwas höhere Dividenden.

Weitere Wertpapiere auf Aktienbasis

  • Aktienfonds sind Instrumente, die in mehrere Aktien gleichzeitig investieren, oft nach Land, Branche oder anderen Kriterien ausgewählt. Durch die Verteilung vermindern sie das Risiko eines höheren Verlusts. Sie reduzieren damit aber auch die Gesamtrendite, wenn einzelne Werte im Portfolio sich als schwächer erweisen. Außerdem wird ein gewisser Kapitalanteil für das Management abgezogen. 
  • Mischfonds, englisch Multi Asset Fonds, können neben Aktien auch Wertpapiere anderer Anlageformen enthalten. 
  • Indexfonds, englisch ETFs ("exchange traded funds"), sind Fonds, die einen bestimmten Index nachbilden. Dies ist meist ein Aktienindex. Es gibt aber auch ETFs für Indizes anderer Wertpapierarten wie Anleihen oder Geldmarktpapiere. Da ETFs kein spezialisiertes Fondsmanagement benötigen, entfallen die entsprechenden Kosten; d.h. ETFs sind günstiger als aktiv gemanagte Fonds.

Immobilien

– die Geldanlage in "Betongold"

Neben dem Sparbuch und anderen Bankprodukten ist Wohneigentum die beliebteste Geldanlage in Deutschland. Das bestätigen zahlreiche Studien immer wieder, so z. B. auch die Verbrauchs- und Medienanalyse VuMA 2019:

Das "eigene Dach über dem Kopf" bietet nicht nur mietfreies Wohnen. Es wird auch gern als ideale Altersvorsorge betrachtet. Außerdem können Immobilien reine Anlageobjekte sein. Und wer nicht gleich "steinhart" einsteigen will, hat eine Reihe anderer Anlageformen zur Auswahl.

Realimmobilien – die eigenen 4 Wände

  • Das selbst genutzte Eigentum als Wohnung oder Haus ist für viele der Idealfall: kein nerviger Vermieter, keine fiese Kündigung. Allerdings ist das ganze Kapital an einer einzigen Stelle gebunden. Neben- und Sanierungskosten können heftig zu Buche schlagen. Und wenn ein Notfall eintritt und die Anlage kurzfristig wieder "flüssig" gemacht werden muss, sind auch Verluste möglich – zum Beispiel seit die einst ruhige Nebenstraße sich in eine Tag und Nacht befahrene Durchgangsstraße verwandelt hat. 

  • Die komfortable Altersvorsorge ist hoffentlich zu Beginn des Ruhestands abbezahlt und hilft, mit der Rente besser klar zu kommen. Doch auch Gebäude altern. So kann es gerade dann teuer werden bei der Instandhaltung, wenn die Haushaltskasse das nicht mehr hergibt.  

  • Als passive Einkommensquelle durch zahlende Mieter ist Wohneigentum ebenfalls beliebt. Allerdings gelten auch die genannten Risiken ... plus dem Mieterrisiko: Im Zeitalter der Messis und Mietnomaden hat schon mancher Wohnungseigentümer nebenbei mehr draufgelegt als verdient. Leider sind Mietrenditen netto meist geringer als erwartet: Für Finanzierung, Steuern, Rücklagen und Nebenkosten geht eine ganze Menge drauf. 

  • Gewerbeimmobilien als Geldanlage gelten als vergleichsweise problemlos, wenn Lage und Zuschnitt stimmen. Das Risiko von Mietausfällen ist hier jedoch höher, da hier eine Insolvenz der Mieter oder Leerstandszeiten häufiger vorkommen. 

Immobilien-Anlagen in Wertpapieren

  • Offene Immobilienfonds sind der ideale Einstieg: schon für kleines Geld zu haben, einfach zu verstehen und stabil in der Wertentwicklung. Vor allem müssen Sie sich als Anleger bei dieser Art des Immobilien-Investments nicht um einzelne Objekte kümmern. Ein guter Offener Immobilienfonds besitzt ein breites Portfolio von Immobilien unterschiedlicher Nutzungsarten an verschiedenen Standorten; sein Management sorgt für Auswahl, Pflege, Vermietung und, wenn nötig, einen zeitnahen Austausch.  
  • Für Crowdinvesting-Projekte brauchen Sie ebenfalls nur geringe Anlagesummen. Dies erlaubt eine gewisse Risikostreuung. Allerdings ist auch die Höchstsumme begrenzt. Bei größerem Anlagevolumen zwingt dies zu einem hohen Aufwand bei der Auswahl einer genügenden Zahl von Projekten. Ein Vorteil neben den guten Renditechancen ist, dass Sie gezielt innovative Bauvorhaben auswählen können, die Ihnen persönlich am Herzen liegen – zum Beispiel Gebäude aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, Passivhäuser, Mehrgenerationenwohnen oder Multi-Use-Häuser, die sich später flexibel für verschiedene Nutzungen umrüsten lassen. Risiken sind z. B. Verzögerungen in der Fertigstellung und das sogenannte Darlehensrisiko: Sie können leer ausgehen, wenn das Projekt nicht den erhofften Gewinn abwirft. 
  • Geschlossene Immobilienfonds schließlich sind wie Crowdinvesting im großen Maßstab zu bewerten: Die Renditechancen sind teilweise erstaunlich, doch ebenso hoch sind die Risiken, und bei all dem bleibt Ihr Kapital auf viele Jahre gebunden. Anteile an Geschlossenen Immobilienfonds stehen jedoch nicht unbegrenzt zur Verfügung: Wer den rechten Zeitpunkt verpasst, geht leer aus. Weitere Einstiegshürden sind die hohen Anteilspreise und der Umstand, dass Sie während der Laufzeit nur sehr schwer und mit Verlust an ihr Anlagekapital kommen.

Ferner gibt es Immobilien-Aktien, -Anleihen, ETFs auf Immobilien-Aktien sowie eine Variante von Dachfonds für Immobilienfonds, die sogenannten REITs ("real estate investment trusts"). Diese Papiere investieren jedoch nur indirekt ins Betongold, werden an der Börse gehandelt und unterliegen daher den dort üblichen Wertschwankungen, Chancen und Verlusten.

Aktien vs. Immobilien – die wichtigsten Merkmale und Unterschiede

Wieviel Kapital brauche ich zum Einsteigen?

  • pro Einzelwert mindestens 1.000 - 2.000 €1
  • Gesamtanlage mind. 6.000 - 12.000 €1

Lösungen für Einsteiger ohne besondere Kenntnisse?

  • Aktien- und Mischfonds, auch als Sparplan

Wie lange sollte mein Geld investiert bleiben?

  • ab etwa 5 Jahre*

Wie flexibel bleibe ich?

  • Wechsel kosten, sind aber jederzeit möglich

Mit wieviel Wertschwankung muss ich rechnen?

  • bes. bei Einzelaktien: hoch bis sehr hoch

Welche Variante hat das geringste Risiko?

  • Aktienfonds, Mischfonds

Welche Renditen werden im Durchschnitt erreicht?

  • langfristig betrachtet erreichen Aktien im Durchschnitt 7 Prozent Rendite

Wieviel Kapital brauche ich zum Einsteigen?

  • OIFs / Crowdinvesting: ab 10 € 
  • GIFs: ab 10.000 € 
  • Realimmobilie: mindestens 11 bis 16 Prozent des Kaufpreises (nach Region)

Lösungen für Einsteiger ohne besondere Kenntnisse?

  • OIFs, auch als Sparplan

Wie lange sollte mein Geld investiert bleiben?

  • OIFs: mindestens 2 Jahre 
  • Crowdinvesting: 5 Jahre (Durchschnittswert) 
  • GIFs: bis 15 Jahre und mehr 
  • Realimmobilie: mindestens 10 Jahre

Wie flexibel bleibe ich?

  • feste Kapitalbindung

Mit wieviel Wertschwankung muss ich rechnen?

  • gering

Welche Variante hat das geringste Risiko?

  • OIFs

Welche Renditen werden im Durchschnitt erreicht?

  • OIFs: ca. 2 - 3 Prozent 
  • GIFs: 7 - 15 Prozent 
  • Realimmobilie: 3 - 7 Prozent

1 Durchschnittlich empfohlene Anlagebeträge, um nach Kosten (z.B. Depotgebühren) noch nennenswerte Gewinnchancen zu erhalten.

Aktien oder Immobilien

– wie soll ich mich denn nun entscheiden?

Wählen Sie eine Anlage, deren Risiken Sie vollständig überblicken! Meine Zusammenstellung ist logischerweise nur eine erste Übersicht. Zusätzlich können Sie sich an den Investment-Styles orientieren. Wenn Sie dann einen Favoriten gefunden haben, informieren Sie sich im nächsten Schritt eingehender über diese Anlageform. Zu guter Letzt drei Punkte für den Schlussspurt:

  • Gehen Sie guten Gewissens von sich selbst aus: Welches Investment passt wirklich zu mir? Schließlich müssen Sie jahrelang mit Ihrer Entscheidung leben.  
  • Sie können sich überhaupt nicht entscheiden? Gut so! Langfristig erfolgreiche Geldanlagen leben oft von einer klugen Mischung.  
  • "Jetzt" ist immer der beste Zeitpunkt. Niemand weiß sicher, wohin sich ein Markt entwickelt. Eine alte Börsianerregel besagt, dass man mit Zaudern immer Geld verliert.

Smarter sparen

Omas Sparbuch ist out, aber mit Sicherheit und Konstanz fühlen Sie sich doch wohler als auf der Börsenschaukel.

Könnte interessant sein: Offene Immobilienfonds und/oder Mischfonds mit geringerem Aktienanteil, beides auch als Sparplan.

Betongold schürfen

Sie mögen es einfach fest und stabil, aber es soll auch was wachsen auf dem Fundament.

Könnte interessant sein: Offene Immobilienfonds, Crowdinvesting, Mischfonds mit Aktien und Immobilien; bei genügend Kapital ist auch die Anschaffung einer Immobilie zur Eigennutzung drin.

Party ohne Kopfweh

Ohne ein bisschen Spaß macht alles keinen Spaß ... solange Sie die Orientierung behalten. 

Könnte interessant sein: Aktienfonds, ETFs, Crowdinvesting – aber nichts mit zu langer Kapitalbindung.

Nerdy & neugierig

Sie wollen endlich wissen, was Ihre Erfahrung inzwischen wert ist. Und bei der Achterbahn kaufen Sie die Zehnerkarte.

Könnte interessant sein: ausgewählte Einzelaktien, Aktienfonds und ETFs zur Stabilisierung; bei genügend Kapital auch Realimmobilien als Geldanlage.

Hobby professional

Ihr Anlageberater kommt immer zu Ihnen, wenn er nicht mehr weiter weiß.

Könnte interessant sein: Einzelaktien, exotische ETFs, Geschlossene Immobilienfonds. Aber das wissen Sie ja schon.

Bildquellen dieser Seite: shapecharge; andresr; KatarzynaBialasiewicz; nd3000; katiafonti/iStockphoto

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Zuletzt aktualisiert am
05. Oktober 2020

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