Ratgeber-Autor

Thomas Henrich

Projektleiter

Commerz Real AG

Geld richtig anlegen 6 wichtige Schritte & Methoden für Neu-Anleger

Sie überlegen, ob und wie Sie Ihr Geld richtig anlegen und wissen nicht recht, wie Sie es angehen sollen? Die folgenden sechs Schritte und Methoden helfen Ihnen den Anfang zu machen und den Grundstein für eine clevere Anlage-Entscheidung zu legen. Dabei geht es in erster Linie um Selbstreflektion: 

  1. Welche Einstellung haben Sie generell zum Geldanlegen?  
  2. Welche finanziellen Ziele hegen Sie? 
  3. Welcher Anlegertyp sind Sie? 
  4. Wie wichtig ist Ihnen Sicherheit? 
  5. Wie steht es um Ihr Finanzwissen? 
  6. Können Sie sich leicht organisieren? 

Finden wir es im Folgenden gemeinsam heraus.

Schritt 1: Geld richtig anlegen – starten Sie mit dem passenden Mindset

Kurz zur Erklärung: Das Stärken des sogenannten Mindset ist eine Technik oder Methode, mit der vor allem Life Coaches arbeiten, um Einstellungen zur Erreichung konkreter Ziele zu optimieren. Das Ganze lässt sich auch auf finanzielle Ziele in ein sogenanntes „Money Mindset“ übertragen und hilft Ihnen dabei, sich selbst besser einzuschätzen und später Geld richtig anzulegen. Dabei dreht sich alles um positives Denken, welche Rolle das Unterbewusstsein bei Ihren Entscheidungen spielt und vor allem um Ihre Einstellung zu Geld. Schon die Eltern lehrten uns, Geld von z. B. Oma und Opa lieber in die Spardose zu stecken, statt es für Süßigkeiten und Spielzeug auszugeben. Als Kind empfindet man das als sehr frustrierend. Eine Sichtweise, die unterbewusst beibehalten wird. Das geht so weit, dass vor allem junge Erwachsene einen Bogen um Geldanlagen machen und sich dagegen entscheiden, ohne überhaupt genau darüber nachgedacht zu haben.

Welchen Blick wir auf Geld, langfristiges Anlegen und finanzielle Vorsorge haben, ob wir es als lästig oder eher als beruhigend empfinden, liegt jedoch ganz bei uns selbst. Wer sich das aktiv bewusst macht, wem es gelingt umzudenken und eine positive Denkweise zu verankern, der macht es sich um einiges leichter. Das wiederum schafft eine gute Basis für ein erfolgreiches finanzielles Handeln.

Sollten Sie über eine negative Auffassung zum Geldanlegen wie eben beschrieben verfügen, gibt es eine gute Nachricht für Sie. Umdenken kann man lernen. Gedanken schaffen Realität, sagt man. Life Coaches empfehlen, sich täglich für 60 Sekunden vorzustellen wie es aussähe und sich anfühlen würde, wenn Sie Ihre Ziele bereits erreicht hätten. Sie sprechen dabei von manifestieren, wonach sich Veränderungen / Erfolge einstellen sollen, sobald man beginnt anders zu denken und damit sein Mindset stärkt.

Rufen Sie sich dabei andere Themen ins Gedächtnis, bei denen Sie Begeisterung verspüren, wenn Sie sich damit beschäftigen, sich Wissen aneignen und am Ende ein Erfolgserlebnis haben. Das könnte beispielsweise der Fall sein, wenn Sie eine Fernreise planen, sich vorab über alles erkundigen, lange sparen etc. Versuchen Sie dieses Gefühl beim Manifestieren hervorzurufen und auf das Geldanlegen zur Erfüllung Ihrer Ziele zu übertragen.

Schritt 2: Legen Sie Ihr konkretes Anlageziel fest

Definieren Sie Ihre Ziele in Sachen Geldanlage so konkret wie möglich. Auch wenn Sie bis dato noch nie investiert haben: Malen Sie sich JETZT schon aus, was Sie mit dem erzielten Vermögen Schönes tun könnten – ob es nun um eine Weltreise, eine Immobilie, generell um den Vermögensaufbau oder um ein Polster für die Kinder oder später für das Alter geht. Wer eine bestimmte Absicht vor Augen hat, der bleibt länger am Ball, wenn es beispielsweise um eine langfristige Anlagestrategie geht. 

Machen Sie sich außerdem bewusst, bis wann Sie Ihre Ziele erreichen möchten. Vielleicht benötigen Sie das angelegte Geld plus Rendite ja zu einem bestimmten Zeitpunkt, wenn es z.B. um das erste Auto Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter geht. Man spricht auch vom sogenannten Anlagehorizont. Die diversen Anlagemöglichkeiten sind meist genau danach ausgerichtet. Ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto kann man z. B. nutzen, wenn kurzfristig Geld investiert werden soll. Wer hingegen eher auf mittel- bis langfristige Anlagen (und damit auf höhere Rendite-Chancen) setzt, fährt mit beispielsweise Offenen Immobilienfonds besser.  

Prüfen Sie im Zuge dessen auch, wie es gerade um Ihre Finanzsituation steht. Zunächst einmal sind die monatlichen Kosten rund um Miete, Versicherungen, Kosten für Essen und Kleidung usw. zu decken. Darüber hinaus sollten Sie finanzielle Reserven für unvorhergesehene Zahlungen wie Reparaturkosten bilden. Erst das, was dann an monetären Mitteln übrigbleibt, gilt es in den Vermögensaufbau zu investieren und ist realistisch, wenn es um Ihre Anlageziele geht. Anschließend können Sie sich über die Anlagesumme bewusst werden. Keine Sorge, es muss sich hierbei nicht immer gleich um fünfstellige Summen handeln. Per Sparplan lässt sich beispielsweise in Fondsanlagen bereits ab zweistelligen monatlichen Beträgen investieren.

Schritt 3: Finden Sie heraus, welcher Anlegertyp Sie sind

Welches Anlageziel für Sie die nötige Motivation liefert und welche Geldanlage für Sie die richtige sein kann, das hängt auch damit zusammen, was für ein Anlegertyp Sie sind. Auch hier gilt es zu reflektieren.

Werfen Sie auch einen Blick auf Ihren Lebensstandard und Ihr Konsumverhalten. Wenn Sie z. B. per Fondssparplan investieren möchten und dazu regelmäßig etwas beiseitelegen: Meist halten wir längst verdrängte Abos und Verträge, die wir nicht brauchen. Allein hier könnten auch Sie Potenziale entdecken, die in einem Sparplan besser angelegt sind.

Ein wichtiger Punkt Ihren Anlegertypus betreffend ist auch, ob Sie ein Familienmensch sind, also ob Sie für sich anlegen oder für z. B. Ihre Kinder. Dann rate ich Ihnen persönlich etwas mehr auf Nummer sicher zu gehen und nicht zu riskieren, das spätere Ausbildungsgeld bei spekulativen Aktienanlagen möglicherweise zu verzocken.

Fragen Sie sich generell, wie weit Sie bereit sind, ins Risiko zu gehen. Sind Sie eher der konservative Anleger oder wagen Sie auch gerne mal etwas? Setzen Sie gerne auf Altbewährtes oder fällt es Ihnen leicht, neue Wege einzuschlagen? Warum all diese Fragen? Sie finden es gleich im nächsten Schritt heraus.

Schritt 4: Sicherheits- oder renditeorientiert?

Stellen Sie fest, was besser zu Ihrem Anlegertyp passt

Es gibt sicherheitsorientierte oder renditeorientiere Finanzprodukte. Wenn für Sie die Sicherheit im Vordergrund steht, dann eignet sich das eine oder andere Finanzprodukt einfach nicht. Dem Nervenflattern bei schwankenden Börsenkursen und Co. sollten Sie sich dann besser nicht aussetzen. Das gilt für die meisten Neu-Anleger im Übrigen grundsätzlich. Sicherer fahren Sie z. B. mit einem Festgeldkonto. Allerdings ist nicht nur das Risiko, sondern auch die Verzinsung gering. Das gilt mittlerweile leider auch für Bausparverträge oder Rentenfonds. 

Gar nicht so einfach, oder? Ich mache es Ihnen gerne leichter. In der folgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht möglicher Anlageprodukte, eingestuft nach ihrer Sicherheit und Chance auf Rendite.

Anlage Zinsen / Rendite Risiko
Sparbuch Niedrige Verzinsung Sehr gering
Tagesgeldkonto Nicht festgeschriebene, geringe Verzinsung Gering
Festgeldkonto Eher Fester, niedriger Zinssatz, garantierter Gewinn (je länger der Anlagezeitraum, desto höher), konstanter Wertzuwachs Gering
Bausparvertrag Eher gering Gering
Rentenfonds Eher gering Gering
Offene Immobilienfonds Solide Gering
Geschlossene Immobilienfonds Meist höher als bei Offenen Immobilienfonds Relativ hoch
ETFs Hohe Gewinne möglich Hoch
Anleihen Gering Gering
Aktien Hohe Gewinne möglich Hoch - langfristiges Anlegen minimiert das Risiko ein wenig
Bitcoins Hoch Hoch
FinTechs Unterschiedlich Ungewiss
Crowdfundings Unterschiedlich Ungewiss
Genossenschafts­anteile Unterschiedlich Mittel
Sachwerte Unterschiedlich Mittel

Mein Tipp: Setzen Sie auf ein ausbalanciertes Portfolio mit einer Mischung aus renditestarken und risikoarmen Geldanlagen. Man spricht auch vom sogenannten diversifiziertem Geldanlegen. Wer nicht alle Eier in einen Korb legt, wie man so schön sagt, ist in der Regel besser aufgestellt. Je nach Risikotyp können auch dabei Schwerpunkte gesetzt werden. So können beispielsweise Anlagen wie Festgeld, Anleihen und Immobilienfonds bei sicherheitsorientierten Anlegern einen Anteil von 75 Prozent des Portfolios ausmachen. Die restlichen 25 Prozent können in Aktienfonds fließen. Wer mehr als zehn Jahre auf das Geld verzichten kann, könnte den Aktienanteil auf 50 Prozent erhöhen. Für 70 Prozent Aktien- und ETF-Anteil im Portfolio sollte man schon ein besonders risikofreudiger Typ sein.

Schritt 5: Seien Sie ehrlich zu sich, wenn es um Ihr Finanzwissen geht

Hand auf’s Herz: Wie steht es um Ihr Finanzwissen? Sie möchten in einen bestimmten Wert investieren, fühlen sich aber als Einsteiger aber besser mit Support im Rücken? Dann rate ich Ihnen nämlich zu Geldanlagen mit einem sogenannten aktiven Management. Hier kümmern sich Finanzexperten für Sie darum, wann in welche Werte wie Aktien oder Immobilien investiert wird. Das gibt Ihnen ein Gefühl von Sicherheit und erspart Ihnen zudem jede Menge Zeit.

Dem gegenübergestellt finden Sie hier die Vor- und Nachteile von einem aktiven und einem passiven Management:

  Aktives Management Passives Management
Vorteile

Fondsmanager bringen das entsprechende Know-how mit, kümmern sich um den An- und Verkauf der Werte, übernehmen Allokation und Überwachung der Anlage und sparen Ihnen im Idealfall nicht nur einiges an Lehrgeld, sondern auch an Zeitinvest.

Das passive Management bietet eine kostengünstige Möglichkeit zu investieren.

Nachteile Gebühren für Fondsmanagement und ggf. Performance-Fee (erfolgsabhängige Gebühr die Fondsmanager) fallen an.

Anleger müssen selbst viel Zeit und Know-how mitbringen. 

 

Schritt 6: Organisation der Finanzen – sorgen Sie für Struktur

Die Organisation der Finanzen ist ebenfalls von Ihrem Typ abhängig und ein wichtiges Kriterium für Ihre künftige Anlage-Entscheidung. Gerade in diesem Bereich ist es essentiell, stets den Überblick zu behalten. Sollte man nicht der Typ dafür sein, kann man ggf. Steuer- und Finanzberater aufsuchen und sollte in jedem Fall Geldanlagen wählen, die über ein aktives Management verfügen. Ansonsten empfehlen sich Methoden bzw. Tipps und Hilfsmittel wie die folgenden, für eine organisierte Handhabung und ein strukturiertes Mindset:

Tipps und Hilfsmittel

Bevor Sie anlegen, sollten Sie für Klarheit sorgen und reinen Tisch machen. Alte Schulden bzw. Kredite sollten getilgt sein, bevor Ihr Geld anderweitig einfließt. So können Sie u. a. fokussierter und effizienter agieren und haben weniger zeitgleich zu stemmen. Machen Sie es sich so unkompliziert wie möglich bei Geldanlagen und Finanzierungen. Keep it simple! So lautet die Devise.

Ich rate Anlegern immer dazu, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, also das Anlagegeld auf mehrerer Anlageinstrumente zu verteilen. Das dient dem Zweck der breiten Streuung zum Schutz vor größeren Verlusten. Wer aber sein Geld auf zu viele Anlagemöglichkeiten wie Tagesgeld, Festgeld, Aktien usw. verstreut, verliert irgendwann den Überblick. Achten Sie also darauf, dass es sich hier die Waage hält.

Klären Sie vorab, welche Kosten und Gebühren bei den jeweiligen Anbietern für Sie anfallen und haben Sie diese bei Ihren Ausgaben genau im Blick. Transaktionskosten, Ausgabeaufschläge und ähnliches drücken nämlich Ihre Rendite. Das Anlegen soll sich schließlich für Sie lohnen.

Investiven Sie z.B. in Offene Investmentfonds, beachten Sie die Anlagevariante. Es wird unterschieden in ausschüttende Fonds und thesaurierende Fonds. Bei ersteren erhalten die Fonds-Anteilseigner Erträge aus Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen, die in der Regel einmal im Jahr ausgeschüttet werden. Sollen die Beiträge reinvestiert werden, müssen Sie sich als Anleger selbst darum kümmern. Bei thesaurierenden Fonds werden Erträge automatisch reinvestiert. Es kommt darauf an, was Sie wollen. Sie müssen kein Organisationstalent sein, um Erträge aus ausschüttenden Fonds selbst zu reinvestieren – es kostet Sie ggf. nur mehr Zeit. Der Aufwand kann sich jedoch auch lohnen und Sie dürfen sich über eine Art zusätzliches Monatsgehalt freuen.

Bei den Finanzen geht es nicht nur um Geldanlagen, sondern auch um Alltagskosten, die ebenfalls im Blick behalten werden müssen. Schließlich muss bei einem Invest in einen Fondssparplan auch immer etwas für die regelmäßige Einzahlung übrigbleiben. Hört sich vielleicht banal an, aber um einen Überblick über alle Ausgaben zu haben, empfiehlt sich auch im digitalen Zeitalter das gute alte Haushaltsbuch. Man macht sich die Zahlungen bewusster, als der obligatorische Blick auf vereinzelte Bankauszüge es tut. Die Auszüge bilden eben nur Teile der monatlichen Zahlungen ab und vermitteln nicht das Gesamtbild.

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Mein Fazit

Geld richtig anlegen ist gar nicht so kompliziert

Wenn Sie sich nun Ihre Situation bewusst gemacht haben und über die richtige Einstellung – das richtige Mindset – verfügen, dann ist nun der beste Zeitpunkt, die ideale Geldanlage für sich zu finden. Sie wissen, welche Gedanken Sie sich zu Ihrer Entscheidung machen und welche Schritte Sie vorab durchgehen sollten. Sie haben Ihr Anlageziel definiert, Ihren Anlegertypus festgestellt, Ihren Anlagehorizont gefunden und sich organisiert. Damit sind Sie in der bestmöglichen Position, um Ihr Geld sinnvoll anzulegen. Sehen Sie was passiert, wenn Sie Ihr gewonnenes Wissen in Zukunft anwenden.

Ich wünsche wie immer gutes Gelingen.

Bildquellen der Seite: Geber86/iStockphoto.com

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Zuletzt aktualisiert am
05. Oktober 2020

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