Ratgeber

Immobilienfonds kaufen: Ob und wie es sich für Sie lohnt

Teilhaben am Immobilienboom: Expertenmeinungen zufolge wird es weltweit noch bis mindestens 2050 mehr Zuzug in die Städte geben. Die Nachfrage nach urbanen Immobilien wird weiter steigen und damit auch die Preise für Wohn- und Gewerbeobjekte. Davon möchten zahlreiche Anleger profitieren und setzen deshalb auf Immobilienfonds statt auf immaterielle Versprechungen von Zins und Kurssteigerung – bevorzugt auf sogenannte Offene Immobilienfonds. Laut einer Marktstudie der Ratingagentur Scope gilt: „Offene Immobilienfonds werden sich auch in diesem Jahr großer Nachfrage erfreuen. Hauptgrund bleibt die im aktuellen Marktumfeld vergleichsweise attraktive Rendite.“

Das heißt jedoch nicht, dass sich Immobilienfonds für Jeden und in jeder Situation eignen. Zudem sind Immobilienfonds nicht gleich Immobilienfonds. Es gibt grundlegende Unterschiede zwischen Offenen und Geschlossenen, die es zu berücksichtigen gilt. 

Wenn mir also potenzielle Anleger die Frage stellen, ob diese Art der Anlage auch für sie die passende ist, antworte ich in der Regel immer mit den gleichen Gegenfragen: 
 

  1. An welcher Stelle Ihres Vermögensaufbaus stehen Sie gerade?
  2. Was ist das Anlageziel
  3. Und welcher Anlegertyp sind Sie?

Meist blicke ich dann zunächst in ratlose Gesichter, dabei ist es im Grunde einfach, genau das herauszufinden. Lassen Sie uns gerne gemeinsam diesen Fragen auf den Grund gehen. Zudem vermittle ich Ihnen im Folgenden ein Gesamtbild davon, was Sie beim Kauf erwartet und worauf Sie in Sachen Anlegertypus, Risiken, Qualität und Bonität achten müssen:  

Was Sie vor dem Kauf eines Offenen Immobilienfonds wissen müssen

Zum Autor: Thomas Henrich, Projektleiter Commerz Real AG

Liebe Leserinnen und Leser,

seit über zwanzig Jahren erkläre ich Privatkunden die Produkte der Finanzwelt und habe mich in den vergangenen Jahren vor allem auf den Offenen Immobilienfonds „hausInvest” spezialisiert. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, potenziellen Anlegern das Basiswissen zu vermitteln, das sie dazu befähigt, souverän die richtige Anlageentscheidung für sich zu treffen – u. a. über diesen Ratgeber.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!
 

Weitere Informationen zu meiner Person

Liebe Leserinnen und Leser dieses Ratgebers,

damit Sie eine Vorstellung bekommen, wer hier für Sie schreibt, möchte ich mich vorstellen.

Seit über zwanzig Jahren beschäftige ich mich im Commerzbank Konzern damit, Privatkunden die Produkte der Bank zu erklären – früher mit Broschüren, Prospekten, Plakaten, heute mehr mit Websites, Newslettern, Grafiken und Filmen.

In den vergangenen zehn Jahren habe ich mich sogar nur um ein einziges Produkt gekümmert, den Offenen Immobilienfonds „hausInvest“ der Commerz Real. Von Beginn an ist mir dabei aufgefallen, dass Kunden häufig unentschlossen sind, weil sie sich auf dem Terrain des Finanzwissens nicht trittsicher bewegen können.

Wir haben damals geforscht, woher das kommt und haben festgestellt, dass in Schule, Familie und Beruf kein Basiswissen über die Grundzüge unserer „finanziellen Welt“ vermittelt wird. Ein Basiswissen, dass es jedem ermöglicht, für sich selbst Produkte und Dienstleistungen in der Finanzwelt zu bewerten und so souverän eine Kaufentscheidung zu treffen. Es gab noch nicht einmal einen Konsens darüber, was denn eigentlich das Basiswissen ist, das jeder haben sollte.

Mit einer Expertenrunde haben wir dieses Basiswissen damals erarbeitet und der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt: der „Kanon der finanzielle Allgemeinbildung“ des Commerzbank Ideenlabors. Ein erster Schritt, heute sind in dem Thema schon viele Schritte getan. Doch bis heute hat mich die Frage nicht losgelassen: „Wie kann ich das komplexe Finanzwesen für den Verbraucher verständlich machen?“ Als die Kollegen dann auf mich zukamen und sagten, „Könntest Du das nicht mal in einem Ratgeber aufschreiben?“, da konnte ich nicht „nein“ sagen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!

Ihr Thomas Henrich

Projektleiter / Commerz Real AG

Ein Bild des Autors des Ratgebers von Hausinvest.

Passen Immobilienfonds zu Ihnen?

Der erste Schritt, um herauszufinden ob Immobilienfonds das passende Investment für Sie sind, ist es einen Blick auf Ihre aktuelle Finanzlage zu werfen. Nicht, weil Immobilienfonds erst ab größeren Summen in Frage kommen. Man kann z. B. in Offene Immobilienfonds schon ab kleinen, zweistelligen Beträgen ab 50 Euro investieren. Vielmehr geht es darum, die Geldanlage in Immobilien richtig einzuordnen. Also: Wie steht es um Ihr Einkommen? Haben Sie noch Reserven, sollten Sie wegen einer kaputten Waschmaschine oder ähnlichem kurzfristig Kapital benötigen? Wie viel Geld haben Sie frei, um es mittelfristig anlegen zu können? Das folgende Modell veranschaulicht genauer, ab wann bzw. in welcher Vermögenssituation die Anlage in Immobilienfonds für Sie Sinn macht:

1. Der laufende Zahlungsverkehr wird durch ein Symbol mit Eurozeichen dargestellt.

Laufender Zahlungsverkehr

Finanzsituation: Das Monatseinkommen deckt die Kosten

Mögliche Anlageform: Girokonto

Eine finanzielle Reserve wird hier durch eine Hand symbolisiert, welche eine Münze fängt.

Reserve für Notfälle

Finanzsituation: Zusätzl. 2 - 3 Monatseinkommen als Reserve, z. B. für unplanmäßige Reparaturen

Mögliche Anlageform: Tagesgeldkonto, Geldmarktfonds

3. Mittel bis langfristige Planungen finanzieller Art werden hier durch Münzen repräsentiert.

Mittel- bis langfristig

Finanzsituation: Alles, was die Punkte bzw. Schritte 1 und 2 überschreitet (Sparen und anlegen bereits ab einem zweistelligen Betrag möglich)

Mögliche Anlageform: Rentenfonds, Offene Immobilienfonds

4. Spekulative Investitionen werden hier mit einer aufwärts gerichteten Graphen symbolisiert.

Langfristig & spekulativ

Finanzsituation: Alles, nach Punkt 1 - 3 / Summen, deren Verlust im Worst Case verkraftet werden können

Mögliche Anlageform: Aktienfonds, ETFs

Was ist Ihr Anlageziel?

Geht es Ihnen darum kurzfristig Geld zu parken, um baldige Anschaffungen zu tätigen und sich den einen oder anderen Wunsch zu erfüllen? Dann bietet sich am ehesten ein Tagesgeldkonto für Sie an. 

Wenn Sie eher mittel- bis langfristig denken, auf Geldanlagen mit Werterhalt setzen und z. B. etwas für die Kinder ansparen oder in die eigene Altersvorsorge investieren möchten, dann könnten sich Offene Immobilienfonds für Sie eignen. Ein Vorteil: Diese Anlageform ist gut planbar, denn Sie können sie so gestalten, dass sie zu einem bestimmten, gewünschten Zeitpunkt endet und das angesparte Vermögen ausgezahlt wird.  

Wenn Sie langfristig anlegen möchten, risikobereiter sind und Ihnen ein bestimmter, planbarer Ausstiegspunkt nicht wichtig ist, dann könnten Sie sich beispielsweise mit ETFs an die börsengesteuerten Wertpapiermärkte begeben. Hier ist die Rendite meist höher, das Risiko aber auch.  

Mit dem Anlageziel Gewinnmaximierung und Spaß am Spekulieren sind wir eher bei Aktien oder sogenannten Derivaten, mit welchen in vielfältiger Weise Wetten auf Kursentwicklungen eingegangen werden. Letzteres ist etwas für Spezialisten und Leute mit starken Nerven, die auch mal ein kräftiges Minus in der Depotentwicklung vertragen. 

Welche Sparziele haben die Deutschen?

Hier finden Sie die wichtigsten Sparziele der Deutschen nach einer Erhebung der SPLENDID RESEARCH GmbH aus dem Oktober 2018, zu der 1.000 Deutsche im Alter vom 18 bis 69 Jahre befragt wurden:

Rücklagen bilden

44% der Deutschen möchten ein finanzielles Polster für Notfälle haben. Im Falle einer kaputten Waschmaschine oder einer Rechnungsnachzahlung kann auf diese finanziellen Rücklagen zurückgegriffen werden. Notfälle dieser Art gibt es viele und sie kommen in der Regel völlig überraschend.

An die Altersvorsorge denken

31% der Bundesbürger sparen für später. So soll auch nach Renteneintritt ein finanziell sorgenfreies Leben möglich sein. Die Notwendigkeit einer finanziellen Unterstützung, beispielsweise durch die eigenen Kinder, soll so verhindert werden.

Mittel- und langfristiger Vermögens­aufbau

13% legen einen Teil ihres Geldes als reine Kapitalanlage für spätere Investitionen zurück. Die über die Jahre angesparte Summe kann somit in ein größeres Projekt investiert werden.

Sparen für Kinder

9% aller Bundesbürger sparen für ihre Kinder. Von dem Ersparten soll beispielsweise deren spätere Ausbildung finanziert werden können. Aber auch in finanziellen Notsituationen kann den eigenen Kindern so unter die Arme gegriffen werden.

Welcher Anlegertyp sind Sie?

Haben auch Sie ein mittel- bis langfristiges Sparziel vor Augen und dieses vielleicht sogar in der Übersicht wiedergefunden? Dann stellt sich jetzt die Frage nach Ihrem Anlegertyp, die sich im Prinzip einfach beantworten lässt:

Die Vorteile von Immobilienfonds

Häufig wird die Aussage, dass Immobilien als Baustein in jedes gut geplante Portfolio gehören, pauschalisiert. Das ist aber nur zum Teil richtig. Ich persönlich stimme dem zu, wenn Offene Immobilienfonds gemeint sind. Bei Geschlossenen Immobilienfonds oder anderen mittelbaren Immobilieninvestments geht eine möglicherweise höhere Renditeerwartung mit einem meist deutlich höheren Risiko einher. Das muss man mögen. Daher gehe ich an dieser Stelle zunächst auf die Vorteile von Offenen Immobilienfonds ein.

Die wichtigsten Vorteile von Immobilienfonds im Überblick:

  • Geeignet für Einsteiger wie Profis
  • Einstiegsmöglichkeit auch mit niedrigem Investment 
  • Wenig Verwaltungsaufwand
  • Anlegerschutz durch das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB)
  • Moderates Risiko
  • Solide, wenig schwankende Rendite

Investieren in Immobilienfonds: So steht es um die Rendite und Wertentwicklung

Bei der Rendite ist zu unterscheiden, ob es sich um Offene oder Geschlossene Immobilienfonds handelt. Bei Ersteren liegt die Rendite im Durchschnitt bei circa 1,5 Prozent bis 2,5 Prozent. Bei Letzteren kann sie im Jahresdurchschnitt um einige Prozent höher liegen. Dies liegt kurz gesagt daran, dass es sich hierbei um zwei grundverschiedene Produkte mit unterschiedlichen Risikoklassen handelt.

Damit Sie das Ganze einmal in Relation sehen: Die Renditechancen erhöhen sich, wenn man in Beteiligung geht, also über einen Geschlossenen Immobilienfonds Gesellschafter einer Firma wird, die meist in genau eine Immobilie investiert, deren Entwicklung dann entweder gut läuft oder eben nicht. Dann sind Sie Mitunternehmer und gehen somit auch das unternehmerische Risiko ein, an Gewinn und Verlust beteiligt zu werden.

Daher ist die Frage an dieser Stelle weniger, ob Sie 2,5 Prozent oder 6,0 Prozent Rendite erzielen möchten – vielmehr geht es wieder darum, welcher Anlegertyp Sie sind und was Ihre aktuelle Finanzsituation zulässt.

Ganz klar muss man sagen: Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für die Zukunft. Die künftige Entwicklung hängt zum Großteil ab von…

  • … den Mieteinnahmen und gewinnbringenden Verkäufen der Immobilien.
  • … den Mieteinnahmen und gewinnbringenden Verkäufen der Immobilien.
  • … langfristigen Mietverträgen.

Darauf sollten Sie bei der Entscheidung für oder gegen einen Fonds unbedingt achten

Ich gebe Ihnen dazu zwei Beispiele aus meinem Arbeitsalltag: Für die Vermietung des Bürokomplexes Le Quattro Porte bei Mailand haben wir kürzlich einen Mietvertrag für neun Jahre abgeschlossen, mit einer Option auf sechs weitere Jahre. Durch z. B. langfristige Modernisierungen sorgen wir für eine Wertsteigerung der Objekte. Dadurch können wir bei einem Verkauf – wie kürzlich bei der Veräußerung des Eurotheum in Frankfurt am Main für rund 250 Mio. EUR – ein gutes Resultat für unsere Anleger erzielen. 

Als die EZB vor einigen Jahren als Großmieter entfiel, überlegten wir uns, wie wir dennoch den hohen Wert dieser Immobilie beibehalten sowie eine sinnhafte Nutzung gewährleisten können. Also haben wir individuell geschaut, welche Bedürfnisse potenzielle Mieter haben und beschlossen, das Gebäude umzubauen und eine effizientere Unterteilung vorzunehmen. Die wenigsten Unternehmen benötigen 24 Stockwerke, aber viele die unmittelbare Nähe zum Bankenviertel. So haben wir aus dem Gebäude kurzerhand eines der wenigen Hochhäuser in ganz Frankfurt gemacht, das sowohl Büros als auch ein Hotel mit einer öffentlichen Bar, Tagungsräumen und Appartements für Langzeitnutzer beherbergt. Wie geplant, ging das Konzept auf! 

Sicherheit oder Risiko? Geld anlegen mit Bedacht 

„Immobilien, damit kannste doch nichts falsch machen!“, das höre ich immer wieder. Doch Veränderungen am Markt passieren nun mal und die Werte von Immobilien und Liquiditätsanlagen können schwanken. Jedoch passiert das deutlich weniger als es bei Aktienpapieren, z. B. auf Grund von langfristigen Mietverträgen. 

Zudem bestimmt ein unabhängiger Gutachter den Immobilienwert, und nicht der aktuelle Börsenmarkt. Wichtig ist es, dass Fondsmanager vorausschauend agieren, für Risikostreuung sorgen sowie für ein gutes Liquiditätspolster in der Fondskasse. Sinkende Verkaufspreise, z. B. wegen weniger Investitionen nach Zinsanstiegen, werden nur dann zum Problem, wenn ein Verkauf zwingend nötig ist. Erfahrene Experten sorgen vor.  

Hat der Fondsmanager dies nicht getan und nicht ausreichend Liquidität zurückbehalten, besteht ein grundsätzliches Risiko der vorübergehenden Aussetzung der Anteilscheinrücknahme oder gar der Schließung der Fonds.  

Seit 2013 ist durch gesetzlich festgelegte Mindesthaltefristen und längere Kündigungsfristen – ebenfalls verankert im KAGB – jedoch eine höhere Planungssicherheit für Fondsmanager bezüglich der benötigten Liquidität gewährleistet. Da die Anleger ihre Investments nicht von heute auf morgen aus dem Fonds abziehen können, hat der Manager ausreichend Vorlauf, um z. B. einzelne Objekte zu veräußern, sollte dies einmal nötig sein. Damit wird dann dem Investitionsobjekt „Immobilien“ recht getan. Eine einzelne Immobilie kann man auch nicht so schnell verkaufen, jedenfalls nicht, wenn man einen bestimmten Preis erzielen will. 

Auch ein Restwährungsrisiko sei erwähnt. Z. B. bei Investitionen, die nicht in der eigenen Landeswährung stattfinden und die eine Währung gegenüber der anderen im Wert extrem sinkt oder ansteigt. Generell gilt wie bei allen Anlageprodukten auch das Dreieck der Vermögensanlage. Das Ziel „Sicherheit“ konkurriert mit den Zielen „Rentabilität“ und „Liquidität“ bzw. es konkurrieren immer zwei der drei Ziele mit dem verbleibenden.

Magisches Dreieck der Vermögensanlage am Beispiel von offenen Immobilienfonds. Sicherheit ist am größten dargestellt, Verfügbarkeit am zweitgrößten und Rendite am kleinsten.

Geschlossene oder Offene Immobilienfonds? Das sind die gravierendsten Unterschiede

Ich persönlich bin bei Geschlossenen Immobilienfonds erst einmal vorsichtig. Unter diesem Link finden Sie Näheres zu meinen persönlichen Erfahrungswerten und einen ausführlichen Vergleich von Offenen und Geschlossenen Immobilienfonds, der die Unterschiede besser verbildlicht. Mehr zum Thema Offene vs. Geschlossene Immobilienfonds lesen Sie hier.

Offene ImmobilienfondsGeschlossene Immobilienfonds
Investition in mehrere Objekte zur Risikostreuung = DiversifikationPortfolio mit wenigen oder einem Objekt
Mindesteinlage ab 10 - 50 EURMindesteinlage ab ca. 5.000 EUR
Offene Laufzeit bei einer 24-monatigen Mindesthaltefrist und einer 12-monatigen KündigungsfristBegrenzte Laufzeit - durchschnittlich 15-25 Jahre
Durchschnittliche Rendite: 1,5 - 2,5 ProzentDurchschnittliche Rendite: 3 - 4 Prozent
Können an der Börse veräußert werdenNicht an der Börse gehandelt
Anzahl der Fondsanteile unbegrenzt, Investition jederzeit möglichFondsanteile begrenzt
Kein HaftungsrisikoHaftungsrisiko
Staatliche KontrolleKeine staatliche Kontrolle
Kein Mitsprache- und EntscheidungsrechtEingeschränktes Mitsprache- und Entscheidungsrecht
Wertpapier im DepotDirekte Beteiligung an der Immobilie

Zuverlässige Fondsgeber und lukrative Immobilienfonds: Fundamentale Kriterien für die Kaufentscheidung

Haben Sie sich zu einem Investment entschieden? Dann gilt es abschließend, diese essentiellen Kriterien zu berücksichtigen:
 

  1. Den richtigen Fondsgeber bzw. Emittenten finden: Bei der Wahl des Fondsgebers – auch Emittent genannt – ist es ratsam auf Anbieter zu setzen, die bereits seit vielen Jahren erfolgreich agieren und sich auf Grund ihres Erfolges einen Namen gemacht haben. Je mehr Erfahrung auf Seiten des Emittenten liegt, desto besser. Ein weiteres Erfolgsmerkmal ist die Anzahl der Anleger, die bereits dem Anbieter vertrauen und investiert haben. Auch Zertifizierungen, Qualitätssiegel und ob eine Mitgliedschaft in einem Verband zum Schutze der Anleger besteht, sind relevante Aspekte. Am „nächsten dran“ sind natürlich Fondsgeber, die sich selbst um ihre Assets kümmern und quasi alle Leistungen aus einer Hand bedienen.
     
  2. Setzen Sie in erster Linie auf Fonds mit qualitativ hochwertigen Immobilien bzw. Portfolios, deren Qualität von offiziellen Ratingagenturen mit mind. A+ bestätigt wurde.
     
  3. Überlegen Sie sich, welche Rolle für Sie das Thema Nachhaltigkeit spielt. Verfügen die Immobilien aus dem Fonds z. B. über Zertifizierungen wie den DGNB-Gold-Standard für Nachhaltigkeit, über ein LEED-Nachhaltigkeitszertifikat oder zählen beispielsweise Windparks oder erste Hybridhäuser dazu? Noch findet sich am Markt eine überschaubare Anzahl an Immobilienfonds mit nachhaltiger Ausrichtung, aber die Tendenz ist erfreulicherweise steigend. Ein Grund dafür ist auch, dass die Nachfrage nach smarten Technologien bzw. Smart Homes steigt, z. B. zur effizienten Energienutzung und dem Reduzieren des Stromverbrauchs. Künftig wird es immer mehr Entwicklungen in diese Richtung geben, was sich wiederum positiv auf die wirtschaftliche Rentabilität solcher Immobilien auswirkt.

Bevor Sie Immobilienfonds kaufen, gilt es außerdem noch folgende Punkte und Regularien zu beachten:

Rechtliche Rahmenbedingungen, Laufzeiten und Rückgabefristen

Die Rechtsgrundlage rund um Offene wie Geschlossene Immobilienfonds werden wie gesagt im Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) geregelt, was für mehr Transparenz und Sicherheit für Anleger sorgen soll. Die Rahmenbedingungen werden außerdem durch das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG), das Kreditwesengesetz (KWG) und das Vermögensanlagengesetz (Graumarktgesetz) festgelegt. 

Im KAGB sind Mindesthalte- und Kündigungsfristen verankert. Bei Offenen Immobilienfonds haben Anleger jederzeit unter Berücksichtigung der Fristen die Möglichkeit, die Beteiligung zu verkaufen.

  • Mindesthaltefrist = 24 Monate
  • Rückgabefrist = 12 Monate
  • Rücknahmefrist = variiert von Fondsgesellschaft zu Fondsgesellschaft

Die Lebenszyklen von Geschlossenen Immobilienfonds, von der Gründung bis zur Auflösung des Fonds, sind meist deutlich länger. Geschlossene Investmentfonds für Immobilien haben eine feste Laufzeit zwischen 10 und 30 Jahren. Nicht immer ist eine vorzeitige Rückgabe möglich, jedoch eine Veräußerung auf dem Zweitmarkt.

 

Besteuerung

Seit Januar 2018 gibt es eine Änderung bei der Besteuerung von Offenen Immobilienfonds. Seit diesem Zeitpunkt müssen Anleger ihre Gewinne versteuern, die sie durch den Verkauf ihrer Anteile erzielt haben. Es existiert außerdem eine Besteuerung auf Ebene des Fonds. Das bedeutet, dass auf inländische Erträge eine Körperschaftssteuer von 15 Prozent erhoben wird. Investoren profitieren durch die sogenannten Teilfreistellungen, deren Höhe je nach Fonds variieren kann und die die Steuerlast für sie dementsprechend ausgleichen. Diese machen Offene Immobilienfonds auch aus steuerlicher Sicht attraktiv.

 

Ausgabeaufschlag und versteckte Kosten

Welche Kosten kommen außerdem auf Sie zu? Beim Kauf von Immobilienfonds müssen Sie mit einem einmaligen Ausgabeaufschlag – auch Agio genannt – rechnen. Dieser liegt je nach Fonds bei bis zu 7 Prozent. Damit werden die Vertriebs- und Verwaltungskosten abgedeckt, sowie die Beratungsleistungen, die Sie quasi als Service hinzukaufen.

Bei Offenen Immobilienfonds ist das nicht immer der Fall, da es grundsätzlich zwei verschiedene Erwerbsmöglichkeiten gibt. Die Immobilienfonds können zum einen direkt über eine Bank bei der Fondsgesellschaft, über den Bankberater, über den Online-Vertrieb oder über einen freien Vermittler gekauft werden. Wenn dies nicht über Sparpläne läuft, fällt der Ausgabeaufschlag an. 

Die zweite Möglichkeit ist der indirekte Erwerb an der Börse. Hier gibt es grundsätzlich keinen Ausgabeaufschlag, jedoch können dafür Börsenspesen oder Ordergebühren berechnet werden. 

Mein Tipp: Grundsätzlich bekommt man die meisten Produkte auch ohne oder nur mit geringem Ausgabeaufschlag, wenn man sich ein wenig umschaut. Gerade online ist das der Fall, wenn die Beratungsleistungen digitalisiert sind und Sie den Kauf eigenständig durchführen können.

Zu erwähnen ist außerdem die Gesamtquote, die sogenannte TER (Total Expense Ratio), also Gebühren für Management, Betriebskosten, die fixe Verwaltungsvergütung sowie die Depotbankgebühr, die es für Sie ebenfalls zu berücksichtigen gilt.

Sie haben es geschafft

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein Gesamtbild davon vermitteln, was Sie beim Kauf von Immobilienfonds berücksichtigen müssen. Der nachstehende Beitrag hilft Ihnen, Ihr neu angeeignetes Wissen zu vertiefen.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen bei Ihrem Investment.

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