Ratgeber-Autor

Thomas Henrich

Projektleiter

Commerz Real AG

Junior Depot Das bessere Sparkonto für Kinder

9 Minuten Lesezeit

Junior Depot oder Sparkonto fürs Kind? Vielleicht haben Sie sich diese Frage auch schon einmal gestellt. Mit dem folgenden Satz kann ich Ihnen die Entscheidung vermutlich sehr einfach machen: Über ein Junior Depot erhalten Sie gute Chancen auf Rendite, über ein Sparkonto nicht. In Zeiten niedriger Zinsen fehlt bei letzterem schlichtweg die Grundvoraussetzung für den langfristigen Vermögensaufbau. Genauer gesagt, es ist sicher, dass das Geld im Laufe der Jahre an Wert verliert.

Wenn Sie daher das Sparkonto ad acta legen und mehr über Junior Depots und deren Vorteile erfahren möchten, finden Sie hier nützliche Informationen für eine zeitgemäße Form der Geldanlage für Kinder. Nur wenn häufiger z. B. kleinere Bargeldbeträge kurzfristig deponiert werden sollen, bietet das Sparkonto etwas Flexibilität, um Geldbeträge auch wieder abheben zu können. Für große Ziele und Träume ist das Junior Depot mit seiner vermögensbildenden Wirkung jedenfalls die beste Ausgangsbasis, die nach der Markt nach meiner Einschätzung heute bietet:

  • Der Start ins Leben fällt viel leichter, wenn schon mal die ersten finanziellen Hürden leichter überwunden werden wie z. B. die erste eigene Wohnungseinrichtung oder die Kosten fürs Studium, ohne dass Nebenjobs ständig Zeit und Nerven kosten.
  • Mobilität ist nach wie vor in vielen Bereichen unerlässlich – und kostet, selbst wenn es nur ein ÖPNV-Jahresticket und ein Car-Sharing-Beitrag ist.
  • Reisen bildet, das gilt heute so wie früher. Und ob es ein Schüleraustausch, ein Auslandssemester oder die große Weltenbummlerreise ist – mit einer gut gefüllten Reisekasse lässt es sich viel leichter losziehen.

Was ist ein Junior Depot?

Für das Sparen mit mehr Rentabilität über Investmentfonds oder Aktien benötigen Sie ein Wertpapier-Depot. Soll die Geldanlage auf den Namen Ihres Kindes laufen, spricht man von einem Junior Depot. Junior Depots werden auch Kinderdepots oder Minderjährigendepots genannt. Darüber werden beispielsweise Fondsanteile verwahrt, die jederzeit einsehbar sind. Neben Einmalanlagen, die zum Beispiel als Geschenk in das Junior Depot eingebracht werden, sind auch regelmäßige Einzahlungen möglich. Mit einem solchen Sparplan für Kinder agieren Sie gefühlt nicht anders als bei einem Sparkonto. Sie zahlen monatlich einen bestimmten, selbst festgelegten Betrag ein – im Idealfall über 18 Jahre hinweg.

Welche Vorteile bietet ein Depot für Kinder?

Der Wert als Lerneffekt

Ganz allgemein bedeutet ein Depotkonto einen frühen Einstieg in zeitgemäße Formen der Kapitalbildung. Das Kind wird an das Thema Börse und Finanzen herangeführt und lernt so die Grundzüge des Kapitalmarkts kennen. Gleichzeitig dient das Depot der langfristigen Geldanlage. Damit lernt das Kind den Stellenwert von langfristigem Sparen und Planen kennen. Gestärkt wird der pädagogische Effekt durch Einrichtung eines Sparplans: Kleine, regelmäßige Einzahlungen, eventuell sogar als Rücklage aus dem Taschengeld, vermitteln wesentliche Lerneffekte – zum Beispiel, dass Selbstdisziplin sich lohnt.

Langfristige Renditechancen

Neben dem pädagogischen Nutzen hat das Junior Depot auch eine Reihe funktionaler Vorteile. Vor allem bieten Geldanlagen bei positiver Wertentwicklung Chancen auf Rendite – erst recht in einem frühzeitig angelegten Junior Depot, das automatisch auf eine längere Laufzeit ausgelegt ist, mindestens bis zum 18. Geburtstag. Damit spielen etwaige, kurzfristige Wertschwankungen keine große Rolle mehr. Wählen Sie einen Sparplan, nutzen Sie zusätzlich den sogenannten Durchschnittskosten-Effekt: Bei steigendem Kurs steigt der Wert der Anlage. Bei sinkendem Kurs werden mehr Anteile erworben – wenn der Kurs dann wieder steigt, steigt der Wert der Geldanlage entsprechend stärker.

Steuervorteile 

In jeder Hinsicht attraktiv sind auch die steuerlichen Vorteile eines Junior Depots. Bei einem Depot für Kinder fallen vor allem keinerlei Abgeltungssteuer auf Zinsen und Dividenden an, denn das Kind hat ja kein eigenes Einkommen. Es darf also Zins- und Dividendenerträge steuerfrei behalten, was wiederum den Zinseszinseffekt verstärkt. Um dies zu bekommen, brauchen Eltern eine sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung ("NV-Bescheinigung"). Sie erhalten sie bei Ihrem Finanzamt. Die Bescheinigung ist 3 Jahre gültig; danach muss sie erneut bei der Bank eingereicht werden. 
Daneben gilt für jedes Kind ein eigener Grundfreibetrag plus Sparerpauschbetrag. Damit sind Erträge von bis zu 10.005 € pro Jahr steuerfrei – eine Grenze, die wahrscheinlich die wenigsten erreichen werden. Allerdings muss auch der Sparerpauschbetrag (z. Zt. 801 €) beantragt werden. Geldinstitute bieten dazu in der Regel einfache Vordrucke an.

Einfache Eröffnung

Die Eröffnung eines Kinderdepots ist einfach und bei vielen Anbietern weitgehend online zu erledigen. Teilweise müssen Dokumente beziehungsweise beglaubigte Kopien vorgelegt werden; manche Institute bieten dazu aber auch den Postweg und eine Beglaubigung per Postident an. Für Ihr Kind gibt es zur Eröffnung zusätzlich oft eine attraktive Prämie wie zum Beispiel ein Laufrädchen. So lohnt sich das Depot aus Sicht Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter bereits ab Tag eins.

Geringe Kosten

Die meisten Banken verlangen keine Verwaltungsgebühren für ein Junior Depot. Sehr unterschiedlich sind allerdings die Gebühren für den Handel. Dabei schneiden Sparpläne meist am günstigsten ab; für andere Käufe oder Verkäufe werden verschiedene Gebühren, Provisionen oder Festpreise aufgerufen, die sich bei deutschen Instituten aktuell zwischen 2 und 10 € pro Vorgang bewegen.

Diese Anlagemöglichkeiten gibt es mit einem Junior Depot

Im Grunde handelt es sich bei Depots um Bankkonten, die Wertpapiere aufbewahren. Über ein Junior Depot kann in Fonds, ETFs oder Einzelaktien investiert werden.

Fonds

Ganz allgemein sind Fonds Kapitalanlagen, die mehrere Einzelwerte bündeln. Damit entsteht eine gewisse Risikoabsicherung; wenn einzelne Werte schwächeln, wird der Gesamtwert dennoch einigermaßen stabil bleiben. Es gibt Fonds sehr unterschiedlicher Art – zum Beispiel:

  • reine Aktienfonds, die eben ausschließlich in Aktien investieren,
  • Mischfonds, englisch „Multi Asset Fonds", die verschiedene Anlageklassen mischen, teils für eine noch bessere Risikoabsicherung, teils auch zur Optimierung der Renditechancen,
  • Offene Immobilienfonds, die direkt in Gewerbe- und Wohngebäude investieren und nebenbei den Vorteil haben, dass sie nicht an der Börse gehandelt werden und damit nicht von Schwankungen und Einbrüchen des Kapitalmarkts abhängig sind.

Hier habe ich in einem eigenen Beitrag detaillierte Informationen zum Fondsparen für Kinder zusammengefasst.

Exchange Traded Funds, kurz ETFs

Bei dieser Form der Geldanlage handelt es sich um Fonds, die direkt oder indirekt einen Wertpapierindex nachbilden. Dies hat zunächst den Vorteil, dass in einen Index meist nur solide und bewährte Werte aufgenommen werden. Der zweite Vorteil liegt darin, dass solche Fonds kein eigenes Management benötigen und damit geringere Kosten verursachen. Die meisten ETFs orientieren sich an Aktienindizes; es gibt aber auch ETFs für Anleihen und andere Wertpapierklassen. 

Aktien

Aktien – also Anteile an einem einzelnen Unternehmen – sind die wohl bekannteste Anlageform im Kapitalmarkt. Sie bieten vor allem langfristig im Durchschnitt gute Renditechancen, können aber auch heftigen Wertschwankungen unterliegen und ganz zusammenbrechen, wenn das betreffende Unternehmen insolvent wird.

Wenn es um Anlagen für Kinder geht, rate ich immer dazu, auf risikoarme Finanzprodukte zu setzen. Dabei denke ich nicht nur an den reinen monetären Verlust. Ab einem gewissen Alter kann und sollte das Kind ja auch selbst über sein Depot, den Inhalt und Nutzen informiert sein. Tritt aber ein zu deutlicher Verlust ein, dreht sich der pädagogische Effekt leicht ins Negative – das Kind verliert das Interesse oder baut sogar eine ablehnende Haltung zum Thema Geldanlagen auf. Den besten Effekt hat hier eine stabile, gleichmäßige Wertentwicklung. Einige leichtere Kursschwankungen dürfen sein, aber eine insgesamt stetige Rendite versteht Ihr Kind am besten auch als „Belohnung" für die Sparsamkeit. Dies wird beispielsweise durch Offene Immobilienfonds erreicht. Als eine gute Mischung betrachte ich dabei die Kombination aus Sparplan mit monatlicher Rate und zusätzlichen Einmaleinzahlungen z. B. aus Geschenken.

Der hausInvest Sparplan

Schritt für Schritt Vermögen aufbauen, nach Ihren individuellen Zielen und Möglichkeiten, direkt und unkompliziert per Online-Antrag: Sapren Sie bereits ab 10 Euro monatlich. Die Sparrate können Sie natürlich jederzeit anpassen. 

So eröffnen Sie ein Junior Depot

Bevor Sie für Ihr Kind ein Depot anlegen, sollten Sie sich genau über Konditionen und Preise informieren. Natürlich hat es Vorteile, direkt zu Ihrer Hausbank zu gehen. So wird hier die Eröffnung einfacher und Sie können ggf. mit vertrauten Beratern sprechen. Doch die einzelnen Institute unterscheiden sich in vielen Punkten, und da ein Kinder Depot meist ein längerfristiges Projekt ist, kann schon bei geringen Kostenunterschieden über die Jahre ein hübscher Spareffekt zusammenkommen.

Die Eröffnung eines Depots für Kinder unterscheidet sich prinzipiell kaum von der Depoteröffnung für einen Erwachsenen. Die meisten Institute, die ein Junior Depot anbieten, ermöglichen die Eröffnung, ohne dass Sie eine Bankfiliale aufsuchen müssen. Die Anträge stehen meist online zur Verfügung. 
Oft können direkt auch Anlagen oder ein Sparplan ausgewählt werden. Danach sind in der Regel folgende Schritte notwendig:

(1) Ausdrucken und unterschreiben des ausgefüllten Antrags. Unterschreiben müssen beide Eltern oder Sorgeberechtigten. Dazu brauchen Sie folgende Nachweise in Kopie:

  • als verheiratete Eltern: Ihre Heiratsurkunde
  • als nicht verheiratete Eltern oder alleinerziehender Elternteil: Beschluss über das gemeinsame Sorgerecht 
  • als Eltern, die ohne EU-Pass in Deutschland leben: eine Kopie der Aufenthaltsgenehmigung

sowie eine Kopie der Geburtsurkunde des Kindes; wenn es 16 Jahre oder älter ist, zusätzlich eine Kopie des Personalausweises.

(2) Diese Unterlagen senden Sie per Post an die entsprechende Adresse.

(3) Falls Sie selbst noch kein Kunde der Depotbank sind, können Sie in jeder Postfiliale mittels des PostIndent-Verfahrens Ihre Identität beglaubigen lassen. Dazu müssen beide Eltern oder Sorgeberechtigten persönlich und mit ihrem Personalausweis dort vorsprechen.

Eltern als Treuhänder, das Kind als Eigentümer – die Verwaltung eines Junior Depots

Eigentum und Verwaltung

Eigentümer des Depots und des darin enthaltenen Kapitalwerts ist grundsätzlich das Kind; jeder einbezahlte Betrag bzw. Wertpapierkauf gilt als – unwiderrufliche – Schenkung. Bis zum 18. Geburtstag haben Sie als Eltern oder Sorgeberechtigte eine treuhänderische Verwaltung für das Depot Ihres Kindes inne. Danach kann das Kind frei über das enthaltene Geld verfügen. 

Ein Junior Depot als Steuersparmodell?

Auch wenn die Steuervorteile noch so locken: Ein Depot im Namen des Kindes zu eröffnen, um sich selbst günstiges Geld zu verschaffen, ist keine gute Idee! Die treuhänderische Verwaltung bedeutet: Eltern dürfen das Geld nur zum Wohle des Kindes verwenden. Entnahmen aus dem Depot für eigene Zwecke sind ausdrücklich untersagt. Wenn das Finanzamt bei der Prüfung eine Veruntreuung des Vermögens durch die Eltern feststellt, drohen erhebliche Steuernachzahlungen.

Beschränkung der Anlageklassen

Der Grundgedanke des Junior Depots ist der langfristig verlässliche Vermögensaufbau für das Kind. Daher sind bei vielen Anbietern hochriskante Anlageklassen wie Zertifikate und Optionsscheine von der Aufnahme ausgeschlossen.  

Krankenversicherungsfreigrenze

Falls Sie gesetzlich krankenversichert sind und Ihr Kind in die Familienversicherung eingeschlossen ist, darf es (Stand 2019) pro Monat nur maximal 445,00 €  oder 6.141,00 € im Jahr (12 x 445 € + 801 € Sparer-Pauschbetrag) verdienen; dies gilt auch für Kapitaleinkünfte. Liegt die Rendite darüber, werden bei einer gesetzlichen Kasse Zahlungen fällig.

Depotumwandlung

Gelegentlich bin ich auch schon gefragt worden, ob man ein bestehendes Depot in ein Kinder Depot umwandeln kann. Die Antwort ist ein klares Nein. Hier hilft nur eine Neueröffnung und ggf. der Transfer vorhandener Wertpapiere in das Depot des Kindes – unter Beachtung der genannten Beschränkungen der Anlageklassen.

Häufige Fragen zu Junior Depots

Es hat sowohl Vor- als auch Nachteile, ein Depot auf den Namen des Kindes zu eröffnen. Bei einem Junior Depot auf den Namen des Sohnes oder der Tochter genießen Sie u.A. steuerliche Vorteile. Lassen Sie sich hierzu am besten von Ihrem Steuerberater aufklären. Zudem ist das Depot bei einigen Anbietern bis zum 18. Lebensjahr komplett kostenfrei. Ab dem 18. Lebensjahr geht das erzielte Vermögen jedoch komplett an den Nachwuchs über.

Legen Sie für den Nachwuchs auf eigenen Namen über ein eigenes Depot an, verfügen Sie auch über die Volljährigkeit hinaus noch über das Geld und haben Einfluss darauf, ob es für die Ausbildung oder doch lieber für eine Thailand-Rundreise mit dem Rucksack investiert wird. Zudem ist die Eröffnung eines Junior Depots komplexer, als die Eröffnung eines eigenen Depots. Es werden so einige Daten von Ihnen als gesetzlichen Vertretern verlangt. Es kommt also im Grunde darauf an, worauf Sie persönlich besonders Wert legen. Die Frage kann nicht pauschal beantwortet werden.

Die Eröffnung eines Junior Depots erfolgt in der Regel recht unkompliziert und es kann online z.B. ein Fonds- oder Wertpapierdepot eröffnet werden. Die Legitimation können Sie meist per Ident-Video-Verfahren erledigen.

Ja, für ein Junior Depot bedarf es der Erlaubnis beider Erziehungsberechtigter. Beide Elternteile haben zugleich die Vollmacht über das Depot. Alleinerziehende müssen einen Nachweis zum alleinigen Sorgerecht vorlegen.

Ab der Volljährigkeit, also ab dem 18. Lebensjahr, kann das Kind auf das Vermögen auf dem Junior Depot zugreifen.

Ein Depot kann nicht in ein Junior Depot umgewandelt werden, wenn es damit einem anderen Kontoinhaber zugewiesen wird. Sie als Vater oder Mutter können Ihr Depot also nicht auf den Namen Ihres Kindes in ein Junior Depot umwandeln. Allerdings können Wertpapiere von einem auf ein anderes Depot übertragen werden.

Ist das Kind mit 18 Jahren volljährig, kann es auf das Vermögen auf dem Junior Depot zugreifen und darüber frei verfügen.

Mein Fazit

Junior Depot?

Wie Sie im ersten Abschnitt sehen konnten, bietet ein Junior Depot viele Vorteile – sowohl zum konkreten Vermögensaufbau als auch zur Übung eines rationalen Verständnisses von Wertpapieren und des Kapitalmarkts allgemein. Sie können damit eine gute finanzielle Basis für die Zukunft Ihres Kindes aufbauen, zum Beispiel für Studienkosten oder erste, größer Anschaffungen. Auch Wünsche wie eine längere Auslandsreise oder der Führerschein werden greifbar. Schließlich kann es auch eine gute Plattform sein, die Unterstützung von Großeltern und anderen Verwandten zu bündeln und zu einem ansehnlichen Gesamtergebnis zusammenzuführen. Dennoch empfehle ich, das Depot für Kinder im größeren Rahmen zu sehen: Wie sieht Ihre finanzielle Gesamtplanung aus? Welches sind die richtigen Geldanlagen für Sie und Ihre Familie? Die folgenden Beiträge helfen Ihnen dabei, die passende Anlage zu finden.

Ihr Thomas Henrich

 

Bildquellen dieser Seite: shapecharge/iStockphoto

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Zuletzt aktualisiert am
18. Februar 2021

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