Ratgeber-Autor

Thomas Henrich

Projektleiter

Commerz Real AG

Mündelsicher anlegen Verantwortungsvoll und verzinslich vorsorgen für Schutzbefohlene

Mündelsichere Geldanlage: Immer wieder taucht dieses Thema im Zusammenhang mit Fondssparen für Kinder und Co. auf, wenn es um die Vorsorge für den Nachwuchs geht. Vielleicht ist es auch Ihnen schon das eine oder andere Mal begegnet auf der Suche nach dem passenden Finanzprodukt. Was sich genau hinter dem Begriff „mündelsicher“ verbirgt und was es für Sie als Eltern zu berücksichtigen gilt, darüber möchte ich Sie im Folgenden informieren. Keine Sorge, das Ganze hört sich komplizierter an, als es ist.

Definition „Mündel“

Wofür steht der Begriff genau?

Mündel sind Kinder bzw. Minderjährige, deren Geldvermögen von einem Vormund (meist den Eltern) verwaltet wird. Dabei spricht man auch vom sogenannten Mündelgeld. Geregelt ist das Ganze über die Paragraphen 1773ff des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

Was heißt „mündelsicher“ bzw. „Mündelsicherheit“?

Bei der Mündelsicherheit geht es im Grunde um die Verantwortung, die Eltern gegenüber Ihren Kindern haben. Diese Verantwortung kann auch auf andere übertragen werden, die für das Wohl der Kinder bei einem Verlust von Vater und Mutter sorgen. Als mündelsicher gelten Finanzprodukte, die vom Gesetzgeber ausdrücklich als besonders risikoarm erklärt werden. Die Geldanlage über das Mündelkonto darf keine negativen Folgen für den Mündel bzw. auf dessen Geldvermögen haben, sondern muss wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen. Das Geld ist Eigentum des Kindes. Es darf nicht damit spekuliert werden.

Was bedeutet Vormundschaft in diesem Zusammenhang?

Sollten Eltern ihre Aufgabe als Erziehungsberechtigte nicht mehr wahrnehmen können, wird die Vormundschaft von Amts wegen angeordnet und bedeutet in diesem Kontext, dass ein Vormund als gesetzlicher Vertreter für ein minderjähriges Kind oder einen minderjährigen Jugendlichen festgelegt wird. Grund dafür ist, dass ein Mündel noch über keine eigene Geschäftsfähigkeit verfügt.

Was sind die finanziellen Aufgaben und Pflichten der Eltern als Vormund?

Der Vormund ist verpflichtet, das Geld des Mündels zu verwalten und nicht zu dessen Nachteil zu investieren. Viele Eltern wissen gar nicht, dass sie gesetzlich dazu angehalten sind, das Mündelgeld im Namen des Schutzbefohlenen verzinslich anzulegen. Die Regelung findet sich in den Paragraphen 1805ff des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB).

Was sind mündelsichere Anlagen?

Als mündelsichere Geldanlagen gelten in der Regel Finanzprodukte wie:

  • Inländische Hypotheken, Grund- und Rentenschulden
  • Staats-, Bundes- und Länderanleihen
  • Pfandbriefe
  • Sparkonten für Kinder, die über eine Einlagensicherung verfügen
  • Mündelsichere Fonds

Mündelsichere Fonds können beispielsweise Offene Immobilienfonds sein. Bitte beachten Sie jedoch, dass die Genehmigung bzw. Anerkennung einer Geldanlage als mündelsicher durch ein Gericht erfolgen muss. Diese wird immer von Fall zu Fall festgestellt.

Achtung: Welche Fallstricke birgt die Mündelsicherheit?

Um Fondsanlagen und Sparanlagen als mündelsicher erklären zu lassen, muss ein Antrag auf Genehmigung zur Anlage von Mündelgeld an das zuständige Familiengericht gestellt werden. Wird die Genehmigung erteilt, ist das leider immer noch keine hundertprozentige Garantie gegen mögliche Verluste. Es gab in der Vergangenheit durchaus Fonds, die zwar als mündelsicher erklärt wurden, jedoch dennoch Einbußen verbuchen mussten.

Welche Fonds schon einmal genehmigt wurden und bis heute erfolgreich agieren, erfahren Sie z.B. über die Website des Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) unter www.bvi.de.

Meine Empfehlung ist, bei der Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Fonds, neben dem Thema Mündelsicherheit auch einen Blick auf die Historie zu werfen. War die Anlage in den letzten Jahren als risikoarm einzustufen, stellt das einen guten Indikator auch für Investitionen in naher Zukunft dar.

Mein Fazit

Mündelsichere Anlage

Möchten Sie für den Nachwuchs vorsorgen, überprüfen Sie vorab, ob es sich beim entsprechenden Finanzprodukt um eine mündelsichere Geldanlage handelt. Ist das nicht der Fall, können Sie natürlich auch auf Ihren eigenen Namen Geld für Ihr Kind anlegen, solange es nicht um eine bestehende Summe handelt, die bereits Eigentum des Kindes ist. Mehr zu den Vor- und Nachteilen bei Geldanlagen für den Nachwuchs auf den eigenen Namen finden Sie z.B. über meinen Ratgeberbeitrag: Sparplan für Kinder: Worauf Mamas und Papas heute für später setzen sollten.

Alles Gute
Ihr Thomas Henrich

Bildquellen der Seite: Evgeny Atamanenko/Shutterstock

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Zuletzt aktualisiert am
05. Oktober 2020

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