Ratgeber-Autor

Thomas Henrich

Projektleiter

Commerz Real AG

Stresstest für Ihr Depot Alles fit für 2020?

Sind Sie noch zufrieden mit Ihrer Geldanlage? Oder haben Sie in letzter Zeit schon mal gedacht, dass da mehr drin sein sollte? Wie arbeitet Ihr Geld in den verschiedenen Anlageklassen? Oder liegt es teilweise nur schläfrig in der Hängematte ... versickert gar in den Ritzen von Inflation und Kaufkraftverlust? Und passen Ihre Investitionsentscheidungen noch zu Ihrem Leben, Ihrem Einkommen, Ihren Plänen? Fragen, die sich jeder engagierte Anleger ab und zu stellen sollte.

Wer zu spät kommt...

Nichts ist ungesunder für ein Investment, als ständig „aus einem Gefühl heraus" Korrekturen vorzunehmen. Doch auch das Gegenteil kann gefährlich werden. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", heißt es in dem berühmten Zitat – übersetzt für Anleger: Wer nicht handelt, wenn es notwendig ist, wird unnötige Verluste erleiden.

Doch soweit ist es ja hoffentlich noch nicht! Zunächst gilt es daher, Ihr aktuelles Depot einer genauen Prüfung zu unterziehen und sich dabei auch die Voraussetzungen ins Gedächtnis zu rufen, die zu den jeweiligen Entscheidungen geführt haben.

Die wichtigsten Fragen

  • Stimmt die grundsätzliche Allokation noch mit meinen Absichten und Ausgangspunkten überein – oder haben die sich inzwischen geändert?
  • Arbeiten die einzelnen Segmente (Risiko, Wachstum, Sicherheit) noch im optimalen Bereich – oder ist hier mittelfristig ein zu starkes Nachlassen zu beobachten?

Die zweite Frage leuchtet wohl jedem ein; vermutlich haben Sie sich selbst das schon einmal gefragt. Dagegen wirkt die erste Frage banal: Welche Änderungsgründe sollte es für das Portfoliomodell geben? Sie werden gleich sehen, dass es gerade dabei einiges zu bedenken gibt. Denn wie so oft, steckt der Teufel im Detail. Zuerst aber kurz zu einer weiteren Frage ...

Warum gerade jetzt?

Im Prinzip ist ein Zeitpunkt für die Überprüfung der eigenen Portfoliostrategie so gut wie der andere. Einen Anstoß mag der nahende Jahreswechsel geben, einen anderen der Wechsel an der Spitze der EZB. Auch im Bereich der stabilitäts- und wachstumsorientierten Anlagen hat sich mit dem Millennium-Immobiliendeal eine neue, attraktive Möglichkeit aufgetan.

Grundsätzlich ist aber nicht der Zeitpunkt entscheidend, sondern ein Rat, den Profis privaten Anlegern immer wieder geben: Machen Sie es sich vor allem zur Angewohnheit, Ihr Portfolio regelmäßig zu überprüfen! Einmal im Jahr reicht, wenn keine äußeren Anlässe dazu kommen. Doch so viel Zeit und Aufmerksamkeit sollten drin sein.

Hat sich Ihr Rahmen geändert?

Bei Anlageentscheidungen müssen institutionelle Anleger sich an umfangreiche Regelwerke halten. Wer dagegen die eigene Geldanlage plant und auch selbst verwalten will, genießt ungeahnte Freiheiten. Niemand schreibt Ihnen vor, wo und wie Sie investieren. Dennoch gibt es eine Einschränkung: Nur wenn Sie Ihre Möglichkeiten und Grenzen objektiv und nüchtern sehen, hat Ihr Investment Chancen auf Erfolg.

Dieselben Faktoren gelten auch für Ihren Stresstest. Wie wichtig und vielfältig sie sein können, zeigt sich rasch, wenn wir auf mögliche Gründe für Anpassungen in Ihrem Depot schauen.

Mögliche Gründe:

Gehaltserhöhungen und Boni zum Jahresende oder eine Erbschaft können hier ebenso Änderungen veranlassen wie neue Ausgabenfaktoren – die Geburt eines Kindes oder der Kauf eines Hauses zum Beispiel.

Wäre zum Beispiel ein höherer Grad an Sicherheit wünschenswert, weil Sie neuerdings selbstständig arbeiten und Ihr Einkommen eher unregelmäßig fließt? Oder sind umgekehrt Gründe für eine Absicherung weggefallen, etwa weil Ihr Kind nun eigenes Geld verdient?

Vor allem wenn Sie Ihr Kapital als Altersvorsorge nutzen wollen, sind möglicherweise Anpassungen nötig:

  • Ist zum Beispiel Ihr Einkommen gestiegen? Dann werden Sie auch im Ruhestand entweder mehr Geld brauchen – oder auf mehr verzichten müssen.
  • Trägt Ihre Planung noch der stetig steigenden Lebenserwartung Rechnung?
  • Haben sich Ihre Vorstellungen vom Leben im Alter geändert? Schon heute haben ältere Menschen sehr viel mehr Möglichkeiten, Pläne und Wünsche als früher.
  • Oder haben Sie schon mal an Enkelkinder gedacht? Es gibt kaum Großeltern, die nicht gerne Zeit und eben auch Geld für ihre Enkel aufwenden möchten.

Wollen Sie zum Beispiel in acht Jahren in den Ruhestand gehen? Dann empfiehlt es sich, jedes Jahr ein Achtel Ihres Risikokapitals in risikoarme Anlagen umzuschichten. Zu Beginn des Ruhestands ist dann Ihr gesamtes Kapital in ruhigem Fahrwasser angekommen, ohne dass ein momentaner Kurseinbruch im letzten Moment Ihre gesamte Planung zunichte machen kann.

Würden Sie zum Beispiel länger auf Ihr Geld verzichten, wenn sich daraus deutliche Vorteile ergeben? Oder hat sich die Höhe der Verluste geändert, die Sie zeitweise ertragen könnten?

In all den genannten Beispielen und zahlreichen weiteren Fällen kann ein Rebalancing Ihres Depots sinnvoll sein. In welche Richtung, ist nur für den Einzelfall zu entscheiden. Grundsätzlich aber sollten Sie eine weitere Grundregel erfolgreicher Investoren beherzigen: Wenn nach reiflicher Überlegung ein Handlungsbedarf erkannt ist, handle schnell und entschlossen! Aufschieben und auf einen vielleicht günstigeren Moment zu warten, ist niemals eine erfolgreiche Strategie.

Viele Wege zur Sicherheit

Risiko ist immer gleich; nur Sicherheit kann schwinden. Selten hat sich die Wahrheit dieses Satzes so deutlich gezeigt wie heute mit Blick auf vermeintlich sichere Anlagen: Mit Null- und Minus-Zinsen schmelzen Vermögen unmerklich dahin. Aus diesem Grund widmen wir den folgenden Abschnitt vor allem den risikoarmen Assets im Depot, deren Verluste die geschickt gewonnene Rendite in höheren Risiko-Klassen schmälern.

Doch was tun, wenn das bisherige Sicherheitssegment versagt? Zwei – leider häufige – Fehler werden Sie hoffentlich vermeiden: Notwendige Umschichtungen aufzuschieben oder mit den Geldern doch ins Risiko zu gehen. Es gibt andere Wege, von denen wir hier nur wenige kurz umreißen können:

Globale Märkte: Ziehen Sie auch außerdeutsche Anlagen in Betracht. So bieten selbst manche Länder der Eurozone höhere Zinsen für Festgeld als Deutschland. Verhältnismäßig risikoarm und wenig volatil sind auch so manche ETFs, die zusätzlich den Vorteil geringer Kosten mit sich bringen. Beim Kauf ist natürlich zunächst die Art und Qualität des nachgebildeten Index wichtig. Liegt Ihr Schwerpunkt nun auf Sicherheit, lässt sich das Risiko durch einen physisch nachgebauten ETF weiter begrenzen, der etwas höhere Kosten aufweist, dafür aber keine Swaps samt ihrem Ausfallrisiko.

Offene Investmentfonds: Auch hier finden Sie angenehm unaufgeregte, stabile Renditechancen. Bei der Auswahl bedenken sollten Sie nicht nur die reine Performance, sondern die wesentlichen Substanz- und Wertbildungsfaktoren. Wie das aussehen kann, hat die Commerz Real gerade erst mit dem Millennium-Deal für ihren Offenen Immobilienfonds hausInvest vorgemacht: 49 absolute Premium-Objekte im Paket günstig eingekauft, mit Top-Lagen in deutschen Top-Städten, hoher Vermietungsrate und guter Mieterdiversifikation – ein ideales Startfenster für Anlagen mit Wachstumschancen bei gleichzeitig besten Sicherheitsperspektiven.

Alternative Investments: Sie haben den Vorteil, flexibel in mehrere Anlageklassen und innovative Anlageformen investieren zu können und nicht von einzelnen, volatilen oder sich abschwächenden Märkten abhängig zu sein. Sie bieten nicht dieselben Sicherheiten wie der Geldmarkt, doch richtig eingesetzt, können Sie Ihrem Depot wertvolle Stabilität verschaffen, ohne dass dabei ein Null- oder Minus-Wachstum am Ende steht.

Mein Fazit

Die Pyramide neu definiert

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die klassische Anlagepyramide sich heute verschoben hat - wenn man das Bild überhaupt noch verwenden möchte: Festgeld, insbesondere aus Deutschland, bildet nicht mehr den sicheren Sockel. Diese Rolle haben heute andere Anlageformen übernommen. Ein gut bewerteter Offener Immobilienfonds kann hier als stabile Grundlage mit vernünftiger Wachstumserwartung angesehen werden. Vor allem in diesem Bereich dürfte sich also eine Umschichtung lohnen.  

Nun sind Sie an der Reihe! Nicht jeder der genannten Punkte muss zutreffen und nicht jeder Anlass rechtfertigt eine Änderung. Doch reines, ängstliches Festhalten am Bestehenden ist in der Investment-Welt nie ein guter Weg – oder, mit den Worten von Warren Buffett: „Wenn Prinzipien nicht mehr taugen, ändert man sie.“

Bildquellen dieser Seite: Zivica Kerkez/shutterstock.com

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Zuletzt aktualisiert am
18. Februar 2020

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