Ratgeber-Autor

Thomas Henrich

Projektleiter

Commerz Real AG

Thesaurierende Fonds Die wichtigsten Fakten

5 Minuten Lesezeit

In der Welt der Geldanlagen und Investments ist vor allem eine Frage entscheidend – die der Rendite. Was passiert, sobald Ihr Investment Gewinn abwirft? Welche Möglichkeiten haben Sie als Anleger? Wenn Sie Ihr Geld beispielsweise in einen Fonds investieren möchten, stehen Sie vor der Entscheidung zwischen thesaurierenden und ausschüttenden Fonds. Während ausschüttende Fonds wie ein passives Einkommen funktionieren und regelmäßig Gewinne auszahlen, werden diese Gewinne bei thesaurierenden Fonds automatisch reinvestiert. Was es aber genau mit thesaurierenden Fonds auf sich hat und welche Vor- und Nachteile sich daraus für Sie als Anleger ergeben, möchte ich Ihnen in diesem Artikel erklären.

Was sind thesaurierende Fonds?

Bei einem Investment in einen thesaurierenden Fonds werden die erzielten Renditen nicht ausbezahlt, sondern automatisch und ohne zusätzlichen Handlungsbedarf der Anleger erneut investiert. Dadurch, dass der Gewinn einbehalten wird, kommt es zum Zinseszinseffekt: Nicht nur die ursprüngliche Anlagesumme wird verzinst, sondern auch die zusätzliche Ertragssumme. Der Zinseszinseffekt sorgt somit für eine dynamische und stetige Wertentwicklung.
Vor allem in diesem Aspekt unterscheiden sich die thesaurierenden von den ausschüttenden Fonds, die erzielte Renditen sofort an ihre Anleger auszahlen und somit keine Zinsvorteile für sich nutzen. Durch den Zinseszinseffekt eignen sich thesaurierende Fonds vor allem für langfristige Geldanlagen, die über viele Jahre stabil anwachsen sollen. Weil sie höhere Renditen abwerfen, existieren auf dem deutschen Finanzmarkt überwiegend thesaurierende Fonds, ob als ETF, Aktien- oder Immobilienfonds. Damit Sie sich Ihre Gewinne aus thesaurierenden Fonds auszahlen lassen können, müssen Sie allerdings Ihre Fondsanteile zurückgeben oder verkaufen, was für viele Anleger einen zusätzlichen oder unerwünschten Aufwand bedeuten kann.

Thesaurus rex oder wie noch gleich?

Was nach einer Dinosauriergattung klingen mag, kommt eigentlich aus dem Alt-Griechischen, wo thesaurós so viel bedeutete wie „Schatzkammer”. Der heutige Finanzbegriff der Thesaurierung kann also mit einer Anhäufung von Schätzen übersetzt werden. Die Anhäufung besteht – im Gegensatz zur Ausschüttung – in der Einbehaltung und Reinvestition der Gewinne.

Die Vor- und Nachteile thesaurierender Fonds

Damit Sie sich ein klareres Bild von thesaurierenden Fonds machen und entscheiden können, ob eine solche Anlage für Sie infrage kommt, finden Sie hier die gängigsten Pros und Contras thesaurierender Fonds.

Vorteile:

  • Bequem: Als Anleger in einem thesaurierenden Fonds müssen Sie sich nicht in regelmäßigen Abständen damit beschäftigen, ob oder wie Sie Ihr Geld neu anlegen. Die Reinvestition erfolgt automatisch und ist daher mit keinerlei Mehraufwand verbunden.
  • Niedrige Gebühren: Auch hinsichtlich der Anlagegebühren können sich thesaurierende Fonds lohnen. Denn meist ist die automatische Reinvestition deutlich günstiger, als neue Anlagen mit vielleicht versteckten Kostenaufschlägen abzuschließen.
  • Zinseszinsen: Dadurch, dass der zu verzinsende Betrag mit der Einbehaltung der Renditen immer größer wird, profitieren Anleger in thesaurierende Fonds in hohem Maße vom Zinseszinseffekt. Damit können thesaurierende Fonds das angelegte Geld quasi doppelt für sich arbeiten lassen, was sich wiederum umso positiver auf die nächste Rendite auswirkt.

Der Zinseszinseffekt

Nachteile:

  • Fehlender Freiraum: Zwar kann das automatische Reinvestitionsprinzip eine Erleichterung für manche bedeuten; gleichzeitig nimmt es Anlegern jedoch die Möglichkeit, ihr Geld auf andere beziehungsweise zusätzliche Finanzprodukte aufzuteilen und damit vielleicht effektiver arbeiten zu lassen. Eine Umschichtung oder Neu-Verteilung der Anlage ist damit nicht ohne weiteres möglich.
  • Unverfügbarkeit: Sobald sich Anleger dazu entscheiden, ihre Renditen nicht weiter reinvestieren zu wollen, müssen sie ihre Anteile verkaufen oder zurückgeben. Solche Prozesse sind wiederum meist mit bestimmen Fristen oder extra Kosten verbunden. Um also auf das eigene Geld wieder zugreifen zu können, sind also im Vergleich zu ausschüttenden Fonds einige zusätzliche Schritte notwendig.
  • Nur bedingt gewinnbringend: Trotz des Zinseszinseffekts, der für Anleger durchaus ertragreich sein kann, können auch bei thesaurierenden Fonds positive Wertentwicklungen nicht garantiert werden. Nur wenn sich der Fonds überdurchschnittlich positiv entwickelt, erweist sich auch die Rendite als wirklich gewinnbringend. Fallen die Renditen geringer aus, kann auch nur entsprechend weniger reinvestiert werden. Damit ist auch schließlich der Zinseszinseffekt geringer und die positive Wertentwicklung geht zurück.

Für wen eignen sich thesaurierende Fonds?

Thesaurierende Fonds kommen für Sie als Anleger infrage, wenn Sie über ein langfristiges Investment nachdenken und finanziell gut abgesichert sind, sodass die Anlagesumme nicht für Sie verfügbar sein muss. Wenn Sie außerdem wenig Interesse daran haben, sich mit Börsenkursen und Finanzmarktentwicklungen zu beschäftigen, könnte die automatische Reinvestition für Sie ein geeigneter Weg sein, um Ihr Geld trotzdem kontinuierlich für Sie arbeiten zu lassen. Wenn Sie allerdings gern flexibel bleiben möchten und sich die Möglichkeit erhalten wollen, unterschiedliche Produkte auszuprobieren oder Ihr Portfolio regelmäßig anzupassen, rate ich Ihnen eher zu ausschüttenden Fonds. Damit bleiben Sie selbst für Ihre Anlage verantwortlich und Sie können Ihre regelmäßigen Renditen entsprechend Ihren eigenen Wünschen für sich nutzen. Viele schätzen das jährliche Gefühl der Belohnung für die richtige Anlageentscheidung.

Thesaurierende versus ausschüttende Fonds: Vor- und Nachteile in der Übersicht

Pro Contra
Thesaurierende Fonds Kostenfreie und automatische Reinvestition Unverfügbarkeit des Anlagebetrags
Thesaurierende Fonds Einbehaltung der Rendite sorgt für einen stetigen Anstieg des Fondsvermögens Zusätzliche Schritte notwendig, um sich die Rendite auszahlen zu lassen
Thesaurierende Fonds Zinseszinseffekt erhöht die erwartete Rendite Kein garantierter Wertzuwachs bzw. höheres Risiko bei ungewünschten Kursentwicklungen
Ausschüttende Fonds Passives Einkommen durch regelmäßige Auszahlungen der Rendite Zeit und Geld notwendig, um rentable Anlagen zu planen und umzusetzen

Thesaurierende Fonds und Steuern – Was gibt es zu beachten?

Durch das neue Investmentsteuerreformgesetz vom 01.01.2018 haben sich wichtige Neuerungen für thesaurierende Fonds ergeben, die ich Ihnen hier kurz darstellen möchte. Mit der Einführung des Gesetzes wurden die steuerlichen Unterschiede zwischen thesaurierenden und ausschüttenden Fonds weitestgehend aufgehoben. Denn vorher spielte es eine große Rolle, ob es sich um einen inländischen oder ausländischen thesaurierenden Fonds handelte: Ausländische Fonds wurden bis dahin nicht automatisch über die Abgeltungssteuer besteuert. Mit der Einführung des neuen Gesetzes wurde eine sogenannte Vorabpauschale für thesaurierende Fonds eingeführt: Diese Pauschale stellt einen fiktiven Wert da, der zu Beginn jeden Jahres aus dem Anteilswert des Fonds ermittelt wird. Um die Pauschale zu bestimmen, werden 70 % des Anteilswerts mit dem Basiszins der deutschen Bundesbank multipliziert. Abhängig vom Fonds können von diesem Betrag noch Teilfreistellungen abgezogen werden, bevor dafür die Abgeltungssteuer (zuzüglich Soli-Zuschlag und evtl. Kirchensteuer) errechnet wird. Aufgrund des negativen Basiszins wird keine Vorabpauschale erhoben.

Weiterhin spielt die Haltedauer eine Rolle, um den Wertzuwachs errechnen zu können, der ebenfalls der Steuerpflicht unterliegt. Mit diesem Vorgehen konnte die Erstellung von Steuererklärungen vereinfacht werden; außerdem spielt es keine Rolle mehr, ob es sich dabei um in- oder ausländische Fonds handelt. Wenn Sie sich noch weiterführend über die neue Steuerregelung informieren möchten, finden Sie hier Fragen und Antworten zu Auswirkungen der Investmentsteuerreform 2018.

Mein Fazit

Thesaurierende oder ausschüttende Fonds?

Ich hoffe, dass ich Ihnen in diesem Artikel die wichtigsten Informationen über thesaurierende Fonds und ihre Vor- und Nachteile mitgeben konnte, um Ihnen die Entscheidung für oder gegen diese Art von Geldanlage etwas zu vereinfachen. 

Die Investition in ausschüttende Fonds kann sich eher für Sie eignen, wenn Sie sich mit Ihren Renditen ein passives Einkommen mit einem 13. oder 14. Monatsgehalt schaffen wollen, mit dem Sie selbstbestimmt umgehen können. Wenn Sie eine langfristige Anlage planen, können Sie sich mit einem thesaurierenden Fonds langfristig den Zinseszinseffekt für Ihre Anlage zunutze machen. Oder wenn Sie einfach einmalig anlegen und sich anschließend zurücklehnen möchten, während Ihr Geld für Sie arbeitet, kommt so ein Fonds eher für Sie infrage. Dabei sollten Sie jedoch immer im Blick behalten, dass der Zugriff auf Ihr Geld mit dem Ausstieg aus dem Fonds einhergeht und deshalb mit mehr Aufwand verbunden ist.

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Zuletzt aktualisiert am
14. Juli 2021

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