Mitten in der Innenstadt steht ein schmuckloses Bürogebäude, das niemand mehr braucht. Bald leben hier 64 Mietparteien in sozialen Wohnungen, die Caritas berät im Erdgeschoss-Café, und die Fassade erzeugt Strom. Statt Abriss bleibt der Rohbau stehen – das spart graue Energie und CO₂. Die Schäfergasse zeigt, was passiert, wenn Soziales und Ökologie nicht gegeneinander abgewogen, sondern zusammen gedacht werden.
Im Sinne des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“
Noch lässt das schmucklose Äußere des leerstehenden Bürogebäudes in der Schäfergasse 33 in Frankfurt am Main nichts von der geplanten Transformation erahnen. Dabei geht es um weit mehr als eine Umwidmung einer Büroimmobilie in ein Wohnhaus. Vielmehr entsteht hier in nicht allzu ferner Zukunft ein Vorzeigeobjekt für soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Entstanden ist das Konzept in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt und der zukünftigen Mieterin Caritas.
Ziel war es von Anfang an, einen wertvollen Beitrag zur sozialen Infrastruktur der Stadt zu leisten. Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa wird nicht müde zu betonen, wie wichtig dies ist, um Armut und Armutsängste zu bekämpfen. Transferzahlungen allein reichten nicht aus, „um die Teufelskreise aus Stigmatisierung, schlechter Gesundheit, geringer Teilhabe, schlechten Bildungschancen und Verschuldung zu durchbrechen.“ Basis dafür sei eine soziale Infrastruktur, die Begegnungs- und Beratungsangebote unterbreite, Nachbarschaftshilfe und Gesundheitsversorgung leicht zugänglich mache.1
Das ist prinzipiell auch im Sinne von Bund und Ländern. 1999 wurde in Deutschland das Programm „Soziale Stadt“ ins Leben gerufen. Es zielt darauf ab, Stadtteilentwicklung nicht rein baulich-räumlich anzugehen, sondern auch nichtbauliche Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen Infrastruktur zum Bestandteil der Planung zu machen. So sollen Akteure stärker miteinander vernetzt und zivilgesellschaftliche Potenziale erschlossen werden, um die Lebensbedingungen von Bewohnern benachteiligter, häufig von Armut und Arbeitslosigkeit betroffener Stadtteile umfassend zu verbessern.2 Die Schwäche des Programms liegt in seiner Abhängigkeit von der politischen Konjunktur und deren wechselnden Interessen. Werden Fördermittel für bauliche Maßnahmen bewilligt, geht dies in der Regel auf Kosten der Förderung von Partizipation und Quartiersmanagement.
