Ratgeber-Autor

Thomas Henrich

Projektleiter

Commerz Real AG

Aktien, Anleihen & alle anderen – wie den Überblick behalten?

Immer mehr Sparer stellen heute fest, dass Ihr Spar- oder Geldkonto keine Freude mehr macht. Es gibt keine Zinsen, und die Inflation nagt am Wert. Da schaut sich mancher nach Alternativen um – und erleidet erst mal einen Schock: Dutzende von Formen der Geldanlage bieten sich an. Und aus dem Wirrwarr der Fachbegriffe leuchten überall rote Risikofähnchen. Verständlich, dass viele da die Orientierung verlieren ...

Beginnen Sie bei sich selbst!

Dabei ist es ganz einfach: Nehmen Sie den umgekehrten Weg! Gehen Sie von sich selbst aus:

  • Bin ich ein risikofreudiger Mensch, der auf hohe Gewinne setzt, aber auch mit spürbaren Verlusten leben kann?
  • Ist die Sicherheit meines Geldes mein A und O, so dass ich dafür sogar einen Wertverlust in Kauf nehme?
  • Oder wäre für mich der Mittelweg am besten – mit nicht übertriebenen, aber soliden Chancen bei einem relativ geringen Risiko?

Wer bereits etwas Erfahrung hat, vor allem aber die Zeit, sich praktisch täglich um seine Anlagen zu kümmern, kann auch schon mal ein höheres Risiko eingehen. Auf der anderen Seite muss auch der Wunsch nach Risikoverminderung nicht in die Verlustzone führen. Bewährte, konservativ verwaltete Anlagen mit soliden, mittleren Renditechancen stützen sich oft auf strukturelle Faktoren wie einen Bestand an Sachwerten (z. B. Immobilien) oder als Fonds auf die Verteilung über eine Vielzahl von Einzelwerten.

So wird Ihr Risiko abschätzbar

Nun lichtet sich das Dickicht der Angebote bereits deutlich. Denn alle Anlageformen sind in sogenannte Risikoklassen eingeteilt, die eine gute Orientierung erlauben. Gleichzeitig gilt fast immer die Faustregel, dass höhere Ertragschancen mit höherem Risiko verbunden sind.

Die folgende Tabelle bietet eine erste Übersicht. Pro Risikoklasse sind einige der gängigsten Beispiele genannt. Die Risikoklasse 5 ist dabei nur zur Vollständigkeit aufgeführt; Anlageformen dieser Klasse sollten Sie grundsätzlich Profis überlassen.

Anlageformen nach Risikoklassen

Anlageform (Beispiele) Risikoklasse Ertragschancen Fachlicher Anspruch
Tagesgeld, Festgeld, Bundeswertpapiere 1 keine bis inflations-bedingter Wertverlust niedrig
Unternehmensanleihen mit guter Bonität, Offene Immobilienfonds, europäische Rentenfonds, Renten-ETFs 2 mittlere niedrig bis mittel
Edelmetalle, Immobilien 2-3 niedrige bis mittlere mittel
Aktien / Aktienfonds, Aktien-ETFs in europäischen Standardwerten o.ä. 3 mittlere bis hohe mittel bis hoch
Aktien / Aktienfonds, Aktien-ETFs (außereuropäische, Schwellenländer etc.), Währungsanleihen mit mittlerer Bonität 4 mittlere bis hohe mittel bis hoch
Derivate 5 mittlere bis hohe sehr hoch

Börsen-Buzzwords – kurz erklärt

  • Aktien sind Anteile an einem Unternehmen; der Inhaber von Aktien wird quasi Miteigentümer. Gewinn und Verlust folgen der Entwicklung der Unternehmensbilanz und den aktuellen Börsenkursen.  
  • Anleihen sind Wertpapiere, die einen festen Zins versprechen. Sie werden von Unternehmen, aber auch Staaten und Kommunen ausgegeben. Ihr Vorteil ist eben der feste Zins. Das wichtigste Risiko liegt in Zahlungsschwierigkeiten des Ausgebers; andere Risiken resultieren z. B. aus Schwankungen im Wechselkurs oder der Inflation.
  • Bundeswertpapiere sind Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland.
  • Derivate (auch "Termingeschäfte" genannt) sind eine indirekte Form der Investition, mit der auf die zukünftige Entwicklung einer Aktie oder anderer Werte spekuliert wird, ohne diese Werte selbst zu kaufen. Möglich sind hohe Gewinne, aber auch Totalverluste sogar über die Einstiegssumme hinaus (durch sogenannte Nachschusspflichten).  
  • ETFs ("Exchange Trade Funds") sind Fonds, die einen Index nachbilden, der für ein Land oder eine Branche als Standard gilt – wie z. B. der Deutschen Aktienindex DAX für große, deutsche Unternehmen. Besonderer Vorteil der ETFs sind die relativ geringen Kosten, da sie kein spezielles Management benötigen. Gewinn und Verlust richten sich nach der Entwicklung des jeweiligen Index.
  • Festgeld ist bis zu einem Termin geparktes Geld. Die Zinsen dafür sind heute minimal und liegen unter der Inflationsrate; von einigen Geldinstituten werden ab bestimmten Guthabensummen sogar Negativzinsen verlangt.
  • Fonds sind paketartige Geldanlagen in verschiedene Werte wie Aktien, Anleihen, Immobilien oder auch einer Mischung unterschiedlicher Anlageformen. Ihr Vorteil ist die Möglichkeit eines Ausgleichs von Verlusten bei einzelnen Werten. Damit enthalten sie ein geringeres Risiko als Einzelwerte. Sie benötigen aber ein Management, dessen Kosten den Gewinn schmälert.
  • Offene Immobilienfonds investieren in eine gewisse Zahl von Immobilien und erlauben Anlegern dabei, jederzeit Anteile zu kaufen und im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen auch zu verkaufen. Je nach Qualität des Objektbestands bieten sie Gewinne aus Vermietungen, Wertzuwachs und Veräußerungen. Risiken liegen u.a. in Leerständen, Sanierungsbedarf und einem Mangel von Angeboten geeigneter Objekte im Markt, so dass z.B. freie Mittel nicht reinvestiert werden können.
  • Renten sind im Zusammenhang mit Geldanlagen ein anderes Wort für Anleihen; der Anleihezins wurde früher auch als eine Art Rente bezeichnet.
  • Tagesgeld ist wie Festgeld ohne Terminbindung.

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Informieren geht über probieren

Damit kennen Sie jetzt einige mögliche Anlagen und ihre Unterschiede. Wenn Sie dazu Ihre Risikoklasse bestimmen, finden Sie leicht einen Anfang, der für Sie passt. Nehmen Sie die Entwicklung Ihres Guthabens in die eigene Hand! Mehr Wissen und Verstehen ist dazu ein guter erster Schritt – ganz einfach mit unserer kostenlosen Einführung:

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Zuletzt aktualisiert am
20. Juli 2020

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