Ratgeber-Autor

Thomas Henrich

Projektleiter

Commerz Real AG

10.000 Euro anlegen: In der Krise Chancen nutzen!

10.000 Euro anzulegen ist ein guter Start, denn mit dieser Summe lässt sich etwas anfangen. Und ja – Sie lesen richtig: Ich bin dafür, auch heute, inmitten aller Unsicherheit, Geldanlagen zu planen. Denn die Krise kann eine Chance sein, wenn man dabei einen kühlen Kopf behält. Gleichzeitig sind die Zinsen weiterhin im Keller. Der Wertverlust ist also unvermeidlich, wenn Sie Ihr Geld längere Zeit auf einem Giro-, Spar- oder Tagesgeldkonto lagern. Es ist also goldrichtig, gerade jetzt darüber nachzudenken, wie aus Ihrem Kapital in einigen Jahren etwas werden könnte.

Die Krise nutzen: 10.000 Euro investieren im Corona-Tief

Jetzt die günstigen Kurse für einen Einstieg zum Beispiel in Aktienanlagen nutzen? Das ist ein Gedanke, den wohl die meisten Anlageinteressierten in letzter Zeit einmal hatten. Der Gedanke ist auch richtig – aber riskant und schon gar nicht die ganze Lösung.

Denn die wichtigste Lehre aus der Krise lautet: Nicht eine einzelne Anlageform, sondern eine möglichst breite Basis ist der beste Schutz in Zeiten hoher Unsicherheit. Ein weiterer Schutz sind Investments, die nicht auf hohe Gewinne setzen, sondern auf eine solide Basis – auf Sachwerte wie Immobilien oder auf Fähigkeiten von Unternehmen wie Menschen. Denn dies sind Faktoren, die in der Krise zwar an Wert verlieren können, ihr wirtschaftliches Potenzial aber auf jeden Fall behalten.

Schritt 1: Ist Ihr Eigenkapital fit für eine Geldanlage? 

Diese Fragen sollten Sie für sich beantworten, bevor Sie starten: 

  • Sind Sie schuldenfrei?
    Kredite kosten Geld – und meist mehr, als die Rendite Ihrer Geldanlage einbringen wird. Daher sollten Sie zuerst alle Schulden beglichen haben. 
  • Sind größere Ausgaben absehbar? 
    Wenn Sie wissen, dass Sie Ihr Geld bald brauchen, gibt es praktischere Lösungen – z. B. Tages- oder Festgeld. Das bringt zwar selbst im günstigsten Fall nur einen minimalen Zins. Doch so bleibt es jederzeit verfügbar. 
  • Haben Sie wenigstens 5 Jahre Zeit? 
    Geldanlagen wachsen nicht von heute auf morgen. Maßvolle, aber stabile Ertragschancen können Sie nur nutzen, wenn Sie mittel- bis langfristig planen. Das gilt erst recht seit der Corona-Krise.

Schritt 2: Prinzip Diversifikation: Welche Anlagen kommen noch in Frage?

Wer heute Geld anlegt, muss langfristig denken. Die Erholung der Märkte wird Zeit brauchen. Da aber niemand die Zukunft kennt, sollte Ihre Geldanlage sich nicht nur auf ein Anlagekonzept oder eine Hoffnung stützen.

Die gute Nachricht ist, dass eine Verteilung interessant wird, wenn Sie 10.000 Euro anlegen können. Mindestens zwei Anlage- beziehungsweise Risikoklassen lassen sich leicht abdecken. Wie Sie sie genau aufteilen, kommt auf Ihr Anlegerprofil an; mehr dazu weiter unten im Text.

Auf jeden Fall ist Diversifikation der Schlüssel: Stellen Sie Ihr Kapital auf möglichst viele Füße. Es wird damit nicht zum Sprinter. Doch es wird auch nicht so leicht straucheln, und es kann mehrere Chancen nutzen. Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern, habe ich einige Beispiele zusammengestellt. Die folgende Liste soll Ihnen aber nur als Orientierung dienen. Mit welchen Anlageformen Sie Ihr Portfolio gestalten, hängt letztlich von Ihnen persönlich ab.

Lernen Sie ein paar neue Freunde kennen, die gut in ein zukunftsfähiges Portfolio passen:

Aktien sind und bleiben Renditeträger Nummer 1. Ein Aktienfonds kostet zwar mehr Geld, doch dafür haben Sie ein erfahrenes Management, das sich um die fachlich komplizierten Einschätzungen und Entscheidungen kümmert. Ein besonderer Augenmerk könnte dabei den Gewinnern der Krise gelten, auch wenn die Entwicklungen noch nicht abgeschlossen sind und eine Prüfung des Einzelfalls immer ratsam ist.

ETFs ("Exchange Trade Funds") sind Fonds, die einen Index nachbilden. Damit sind sie günstiger, da sie kein eigenes Management benötigen.

Anleihen, auch "Renten" genannt, sind fest verzinsliche Wertpapiere. Sie bilden daher ein beliebtes Sicherheitselement im Portfolio. Doch nicht alle Anleihen eignen sich gleich gut; daher ist auch hier eine sorgfältige Auswahl angebracht. Anleihen sind übrigens ebenfalls in Form von Fonds und ETFs erhältlich.

Englisch "Multi Assets Fonds" – sind Fonds, die in mehr als einer Anlageform investieren, z. B. in Aktien und Immobilien (nicht zu verwechseln mit Dachfonds, die mehrere Fonds bündeln). In Mischfonds verstärkt sich die Diversifikation gegenüber normalen Fonds weiter. Je nach Auslegung können Mischfonds ihre Zusammensetzung und den Anteil einzelner Anlageformen frei verändern. Dies macht sie sehr flexibel. Doch wenn Sie einen Mischfonds ins Portfolio nehmen wollen, sollten Sie besonders genau auf die Kosten achten: Zu häufige Wechsel können die Rendite stark schmälern.

Offene Immobilienfonds ziehen ihre Rendite sowohl aus Mieteinnahmen als auch aus der Wertsteigerung der Immobilien in ihrem Besitz. Ihre Entwicklung ist daher vom Börsengeschehen unabhängig – so sehr, dass die Corona-Krise hier bislang kaum zu Einbrüchen geführt hat. Ein im Scope Rating gut bewerteter Offener Immobilienfonds bietet alles, was des Anlegers Herz erfreut: eine erstaunlich krisenfeste, stetige Wertentwicklung ohne große Schwankungen. Ihr Erwerb ist einfach, und ein starker gesetzlicher Rahmen schützt die Verbraucher. Seit der Nullzins beliebten Klassikern wie Sparbuch oder Festgeld ihre Anziehungskraft genommen hat, bieten sich Offene Immobilienfonds als relativ risikoarme Alternative für Sparer an.

Ein relativ neuer Weg, mit kleinerem Kapital recht ansehnliche Renditechancen zu nutzen, ist das Crowdinvesting: Dabei fließt das Geld gezielt in einzelne Projekte wie zum Beispiel Start-ups, Vergrößerung eines Niederlassungsnetzes oder Immobilien. Dies hat den Charme, dass Sie durch eine geschickte Auswahl auch mit einer kleineren Gesamtsumme eine gewisse Risikoverteilung erzielen können. Allerdings erfordert die Projektauswahl einigen Aufwand und meist auch eigene Fach- bzw. Branchenkenntnisse. Das hauptsächliche Risiko ist ein Scheitern des Projekts. Oft kommt noch das Darlehensrisiko dazu: Stimmt der Gewinn später nicht, können Sie selbst bei einem erfolgreichen Projekt noch leer ausgehen.

Gold, Silber, Platin und Palladium mit einem Anteil von 5 bis 10 Prozent im Portfolio sind ein guter Krisenanker, wenn Sie Geduld aufbringen, Phasen einer schwächeren Preisentwicklung zu überstehen. Metalle erwerben Sie am besten "physikalisch", also als Münzen oder Barren, da unterlegte Wertpapiere (z. B. Gold-Zertifikate oder Gold-ETFs) zusätzliche Risiken und Wertschwankungen mit sich bringen.

Die Ablaufstrategie

An dieser Stelle ein Hinweis auf die Ablaufstrategie: bei einer Ablaufstrategie geht es nämlich nicht darum, noch ein Prozentchen mehr Rendite herauszukitzeln. Vielmehr sichert eine solche Strategie die Früchte Ihrer Kapitalanlage, wenn Sie einen gewissen Anteil von Anlagen mit stärkerer Wertschwankung im Portfolio haben, zum Beispiel Aktienfonds.

Über mehrere Jahre gleichen sich Wertschwankungen in aller Regel aus. Trotzdem ist es ungünstig, wenn Sie ausgerechnet in einer Flaute an Ihr Geld wollen. Eine Ablaufstrategie bedeutet, dass Sie schrittweise wie bei einem Countdown Teile Ihres Kapitals aus riskanten in wenig riskante Anlagen umschichten, zum Beispiel ein Tagesgeldkonto. Damit sichern Sie vorhandene Gewinne und minimieren Ihr Verlustrisiko zum Ablauf.

Schritt 3: Wieviel Risiko ertragen Sie als Anleger? 

Risikobereitschaft ist keine Messgröße. Dennoch gibt es Fragen, die Ihnen helfen, Ihre Mentalität besser einzuschätzen – solange Sie bei den Antworten wirklich ehrlich sind:  

  • Wie reagieren Sie auf starke Wertschwankungen? Lassen Sie sich leicht von steigenden Kursen begeistern und von fallenden frustrieren? 
  • Wenn Sie 10.000 Euro investieren – wieviel Verlust würden Sie einige Monate ruhig ertragen oder sogar ignorieren können? Wo liegt die Schmerzgrenze für Sie? 
  • Wie gut können Sie sich von momentan nicht lösbaren Problemen abwenden?

Gut verteilt 10.000 Euro investieren: Risikoklassen und Allokation

Die Grundvoraussetzungen und einige mögliche Bausteine für Ihre Geldanlage haben Sie nun kennengelernt. Im nächsten Schritt geht es ans Zusammensetzen des Portfolios, die sogenannte Allokation. Dazu sind vor allem zwei Dinge wichtig: 

  • Ihre Entscheidung, wie stark oder gering Sie ins Risiko gehen wollen 
  • Die Beachtung der Risikoklassen der einzelnen Anlageformen

Wenn Sie 10.000 Euro anlegen, lohnt sich die Aufteilung. Die Diversifikation der Einzelbereiche können Sie bei dieser Summe mit mindestens zwei Risikozonen unterstützen: einem soliden Fuß mit Rendite zu oder knapp über Werterhalt und einem chancenreicheren Element für den Zuwachs.

Risikoklassen und Anlageformen

Risikoklasse Anlageformen (Beispiele) Chancen, Schwankungen
1 Tagesgeld, Festgeld, Bundeswertpapiere kein bis Inflationsbedingter Wertverlust
2 Unternehmensanleihen mit guter Bonität, Offene Immobilienfonds, europäische Rentenfonds, Renten-ETFs mittlere
2-3 Edelmetalle, Immobilien niedrige bis mittlere
3 Aktien / Aktienfonds, Aktien-ETFs in europäischen Standardwerten o.Ä. mittlere bis hohe
4 Aktien / Aktienfonds, Aktien-ETFs (außereuropäische Schwellenländer etc.), Währungsanleihen mit mittlerer Bonität mittlere bis hohe
5 Derivate für Nicht-Profis nicht zu empfehlen

Auf dieser Grundlage werden Sie rasch eine Zusammensetzung für ein Portfolio finden, in dem Sie Ihre 10.000 Euro anlegen können, so dass Stabilität und Risiko Ihren Neigungen entsprechen.

Beachten Sie bei Ihrer Auswahl immer auch die Kosten: Depotführung, Ausgabeaufschlag und Management können Ihre Nettorendite schmälern. Bei ETFs sparen Sie zumindest die Managementkosten. Mancher Anbieter von Depots oder Offenen Immobilienfonds hat auch verbraucherfreundliche Preisstrukturen entwickelt; hier lohnt sich immer ein genauerer Blick beziehungsweise Vergleich.

Mein Fazit

Ja – und dann? Die Strategie des Nichtstuns

Diese coolen Hobby-Trader haben Sie sicher schon gesehen: Sie sitzen vor Bildschirmen mit bunten Tabellen und flackernden Laufbändern. Manchmal drücken sie ganz entspannt eine Taste. Im Übrigen wirken Sie tiefenentspannt, und man nimmt ihnen auch den 250.000 Euro Wagen ab, mit dem sie zwischen Finca und Jachthafen pendeln. Doch das ist nicht die Realität, sondern Hollywood oder ein Werbefilm.

Worum es im Hintergrund geht, ist der Mythos, durch eine besondere Strategie – man könnte auch sagen, Zahlenmagie – Erfolge herbeizuzwingen, die aus jedem von uns einen Warren Buffet machen, einen der erfolgreichsten Börsengurus der jüngeren Geschichte. Einen wahren Kern hat dieser Mythos durchaus. Denn wer streng regelbasiert handelt, wird im Großen und Ganzen bessere Ergebnisse erzielen als jemand, der sich auf ein bisschen Erfahrung und viel Intuition verlässt. Dabei läuft es in fast allen Anlagestrategien auf das Gleiche hinaus: analytisches Denken und feste Vorgaben, wann welcher Anlagewert ge- oder verkauft wird.

Die einzige und beste Strategie, die ich Ihnen ans Herz legen möchte, um Ihre 10.000 Euro anzulegen, lautet "Geduld". Eine solche Summe kann auch ohne Kursverluste schmelzen wie ein Speiseeis im Hochsommer, wenn Sie – mit oder ohne Regel – zu oft Änderungen vornehmen und damit Wechselkosten erzeugen. "Buy and hold" (kaufe und halte) nennt der Fachmann die Strategie, die ebenfalls auf einen berühmten Börsianer zurückgeht, André Kostolany:

Bereiten Sie Ihre Geldanlage so sorgfältig wie möglich vor. Seien Sie wirklich ehrlich, wenn Sie Ihre Risikoneigung bestimmen. Und dann lassen Sie Ihr Geld arbeiten und lehnen sich zurück!

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Zuletzt aktualisiert am
28. Mai 2020

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