Ratgeber-Autor

Thomas Henrich

Projektleiter

Commerz Real AG

Geld anlegen Die Grundlagen einfach erklärt

Herzlichen Glückwunsch: Offensichtlich haben Sie sich entschieden, Ihr Erspartes arbeiten zu lassen und es nicht der Inflation in den Rachen zu werfen. Dabei möchte ich Sie gerne unterstützen.

Vor allem wende ich mich in diesem Beitrag an Neu-Anleger. Denn leicht verständliche und gut erklärte Beiträge zu Finanzthemen sind im Netz oft schwer zu finden. Wenn Sie als Privatfrau oder Privatmann den Weg zur richtigen Anlageentscheidung suchen, stehen sie oft vor einem Berg von Fachbegriffen und einem Labyrinth von komplexen Zusammenhängen. Zugegeben – ein wenig Know-how gehört schon dazu, Ihr Kapital mit guten Chancen anzulegen. Aber es ist auch kein Hexenwerk! Das werde ich Ihnen in diesem Beitrag beweisen – und beantworte Ihnen die wichtigsten Fragen auf Ihrem Weg als Anleger.

1. Warum überhaupt Geld anlegen?

Manchen Menschen macht es einfach Spaß. Sie surfen auf den Börsenkursen wie ein Windsurfer auf Atlantikwellen, und wenn sie „nass" werden, gehört das sozusagen dazu. Andere haben so viel Kapital, dass sie gar nicht anders können. Wenn Sie jetzt diesen Artikel lesen, gehe ich jedoch davon aus, dass Sie – vorerst – zu keiner der beiden Gruppen gehören.

Bei der Frage nach den Gründen denken Außenstehende oft an die sagenhaften Reichtümer, die einzelne Börsenprofis scheffeln. Doch sind derart hohe Renditen sehr, sehr selten. Außerdem gibt es überall dort, wo Chancen auf solche Renditen bestehen, keine Sicherheit. Das Risiko eines Verlusts ist immens hoch. Es finden sich aber auch greifbare und vernünftige Gründe, eine gewisse Summe anzulegen – mit Chancen auf gute Rendite und weit geringerem Risiko:

  • Der Wert- bzw. Kaufkraftverlust: Das erste und einfachste Motiv für einen Anleger ist der Wertverlust. Wenn Sie Ihr Geld unter der sprichwörtlichen Matratze "sparen", bleibt die Summe immer dieselbe. Doch über die Jahre steigen die Preise. Und während die offiziell errechnete Inflation zur Zeit nur langsam voranschreitet, steigt der reale Wertverlust für einen Privathaushalt weit schneller. Gerechnet mit echten durchschnittlichen Ausgaben, sind 1.000 Euro nach zehn Jahren nur noch knapp über 610 Euro wert. 
  • Die Nullzinspolitik: Herkömmliche Anlagen wie Sparbuch, Tages- und Festgeld, die auf maximale Sicherheit setzen, leiden heute unter der anhaltenden Politik der Zentralbank, die Leitzinsen auf Null oder sogar ins Minus zu setzen. So sehen die meisten Sparer am Jahresende allenfalls einstellige Cent-Beträge als Zins. Bei vielen Banken und Sparkassen wird man inzwischen sogar zur Kasse gebeten, wenn man größere Summen dort deponiert: Es gibt keine Zinsen, sondern Abzüge – sei es als Gebühr, sei es als Negativzins. 
  • Die hohe Kante: Gelegentlich hört man heute den Satz: „Ausgeben ist doch besser als sparen". Doch gibt es einige Gründe, sich einen gewissen Geldvorrat zu erhalten. Unvorhergesehene, größere Ausgaben sind dabei natürlich der wichtigste. Aber nicht nur Notlagen, sondern auch Wünsche können plötzlich auftreten. Das müssen nicht nur Anschaffungen oder ein neues Hobby sein. Viele Menschen entwickeln im Alter auch den Wunsch, den nachfolgenden Generationen etwas zu hinterlassen.

Lohnt sich eine Geldanlage 2020 noch? Corona hat eine große Verunsicherung ausgelöst und den Wert vieler Investitionen in den Keller rutschen lassen. Doch bisher ist noch jeder Einbruch vorübergegangen, auch wenn die Erholung diesmal etwas länger dauern kann. Wer vor Corona sein Kapital richtig angelegt und nicht in Panik alles verkauft hat, hat gute Chancen, eines Tages auch wieder einen Ausgleich und Zuwächse zu erleben. Und für Neuanleger hat gerade diese ungewöhnliche Krise gezeigt, welche Anlagen die besten Chancen haben, auch in Zukunft belastbar zu sein.

Was ist eine Geldanlage?

Viele Menschen beantworten die Frage spontan mit „Aktien, Immobilien", vielleicht auch noch „Investmentfonds". Doch Geld anlegen kann man auf viele Arten – und einige wirken recht exotisch:

  • Grundsätzlich ist eine Geldanlage alles, was mit Geld gemacht wird, um es nicht nur aufzubewahren, sondern – hoffentlich – auch zu vermehren. Ein Girokonto, ein Safe oder Omas Strumpf sind also keine Geldanlagen, das gute, alte Sparbuch dagegen schon. 
  • Aktien, Immobilien, Investmentfonds, aber auch Anleihen und einiges mehr sind klassische Anlagen, die man in der Regel bei Banken oder Investmentgesellschaften erhält. 
  • Das angelegte Geld kann aber in eine Kapitallebensversicherung, einen Goldbarren, einen Bausparvertrag, einen chromglänzenden Oldtimer, ein wertvolles Gemälde oder die Beteiligung an Nachbars neuer Frittenbude fließen: Man gibt Geld hin und erwartet das Geld nach einiger Zeit mit Zinsen oder Gewinn zurück. 
  • Geld anlegen kann man sogar bei sich selbst: Fortbildung und Höherqualifikation werden heute ebenfalls als Investition bezeichnet. Der Gewinn fließt dann in Form einer besser bezahlten Stelle oder eines neuen, einträglicheren Berufs.

2. Worauf kommt es an beim Geld-Anlegen?

Bevor ich konkret über einzelne Geldanlagen spreche, möchte ich Ihnen ein paar Grundbegriffe vorstellen. Sie helfen Ihnen nicht nur, die weiteren Erläuterungen besser zu verstehen. Sie zeigen Ihnen auch bereits, welche Richtung Sie als Anleger einschlagen könnten:

Welche Geldanlage passt also zu Ihnen? Diese Kernfrage spielt in jeder Stufe Ihrer Auswahl eine Rolle – bei der grundsätzlichen Ausrichtung genauso wie bei der Wahl der einzelnen Werte, die Sie kaufen. Mit Hilfe des „magischen Dreiecks" will ich Ihnen helfen, darauf eine Antwort zu finden:

Offene Immobilienfonds im Dreieck der Vermögensanlage

Offene Immobilienfonds gelten als risikoarme Anlagemöglichkeit, da sie durch Stabilität von Sachwerten trumpfen können.

Geschlossene Immobilienfonds im Dreieck der Vermögensanlage

Bei Geschlossenen Immobilienfonds sind – im Vergleich zu Offenen Immobilienfonds - sowohl die Rendite-Chancen als auch das Risiko höher zu bewerten. Kapital ist zudem langfristig gebunden.

ETFs / Aktien im Dreieck der Vermögensanlage

Hier steht vor allem die Rendite im Vordergrund. Rendite wird jedoch immer mit Sicherheit bezahlt. Vor allem Aktien sind daher etwas für erfahrene, risikofreudige Anleger. 

Magisch nennt man das Dreieck, weil es auf einfache Weise eine Grundregel des Kapitalmarkts vermittelt: Sie können mit einer einzelnen Anlage nur zwei dieser Eigenschaften bekommen. Es gibt keine Geldanlage, die alle drei in einem bietet.

  • Möchten Sie zum Beispiel Ihr Risiko weitgehend senken und dennoch Ihr Geld kurzfristig verfügbar halten, werden Sie auf eine nennenswerte Rendite verzichten müssen: Das ist etwa bei Tagesgeld der Fall.
  • Investments mit hohen Renditechancen können dagegen stark im Wert schwanken wie zum Beispiel Aktien. Die könnten Sie auch jederzeit verkaufen – nur eben mit Verlust, wenn der Kurs gerade im Keller steht.
  • Es gibt Geldanlagen, die gute Renditechancen mit einem kalkulierbaren Risiko vereinen. Doch solche sogenannten alternativen Anlagen erfordern ein hohes Maß an Fachwissen; vor allem aber ist das Anlagekapital meist über viele Jahre fest gebunden und praktisch unerreichbar.

Das „magische Dreieck" hilft Ihnen übrigens auch bei der Auswahl des Anbieters: Wo deutlich über dem Marktdurchschnitt liegende Traumrenditen bei höchster Sicherheit versprochen werden, sollten Sie mehr als misstrauisch werden.

Das Dreieck austricksen – durch Diversifikation

Sie haben es sicher gemerkt – ich spreche bisher immer von einzelnen Anlagen. In diesem Zusammenhang sind damit alle Wertpapiere gemeint, die Sie als Privatanleger kaufen können – also einzelne Aktien, Anleihen, Fonds etc. Eine Übersicht dazu gebe ich Ihnen im nächsten Kapitel. Für den Moment geht es um die grundlegende Struktur Ihrer Geldanlage: Wie Sie Ihr Risiko verteilen und dennoch möglichst gute Renditechancen nutzen.

Verteilung lautet das Geheimnis – in der Börsianersprache „Diversifikation": Sie legen Ihr Geld nicht nur in einem Wertpapier oder einer Anlageform an, sondern in mehreren. Durch eine solche, möglichst breite Streuung verteilen Sie das Risiko und verbessern Ihre Chancen auf hohe Rendite. Schon zwei verschiedene Einzelanlagen reichen für ein Mindestmaß an Verteilung. Den Gesamtbestand verschiedener Anlagen nennt man übrigens „Portfolio".

Nun werde ich oft gefragt, wie viele verschiedene Anlagen in ein solches Portfolio gehören, damit es seinen Zweck erfüllt. Die Antwort ist einfach: Zwei ist gut, mehr sind besser – aber es sollten auch nicht zu viele sein, so dass Sie immer den Überblick behalten. Drei bis fünf verschiedene Einzelinvestments sind für einen Einsteiger vermutlich genug. Daneben kommt es auf die Gesamtmenge Ihres Vermögens an. Denn jede einzelne Anlage muss leistungsfähig genug sein, um nach Kosten eine Nettorendite zu erzielen. Zu kleine einzelne Anlagesummen lohnen sich eben auch nicht. Als Grundlage zur Berechnung können Sie sich die Nettorenditen der vergangenen fünf bis zehn Jahren anschauen: Das ist zwar kein Versprechen auf die Zukunft, aber eine Orientierungshilfe. 

In wie viele Anlagen Sie Ihr Portfolio aufteilen, hängt also von Ihren verfügbaren Mitteln ab! Bleibt noch die Frage, welchen Charakter Sie Ihrem Portfolio geben wollen:

  • Das ausgewogene Portfolio: Für dieses Modell werden Sie eine gleichmäßige Verteilung von Chancen und Sicherheit anstreben.  
  • Das werterhaltende Portfolio: In diesem Fall wollen Sie vor allem keinen Wertverlust für Ihr Geld. Es reichen also risikoarme Einzelanlagen mit mäßigen, aber stabilen Renditechancen. Sie können aber auch einen größeren Teil mit minimalem Risiko anlegen und einen kleineren als Motor für gute Rendite. 
  • Das wachstumsorientierte Portfolio: Hier setzen Sie stark auf Renditechancen und akzeptieren höhere Risiken. Dennoch empfiehlt sich auch hier ein kleiner Anteil risikoarmer Anlagen als Stabilisierung. 

Neben diesen drei gängigen Modellen gibt es natürlich weitere. Wenn Sie nicht auf die schnelle Verfügbarkeit Ihres Investments angewiesen sind und ein höheres Risiko akzeptieren, wäre z. B. ein dynamisches Portfolio möglich. Dort kombinieren Sie einige stabil wachsende Anlagen mit solchen, die stark im Wert schwanken können, aber besonders hohe Chancen bieten, während der Faktor Sicherheit hier allein durch eine breite Streuung dargestellt wird.

3 Grundregeln für Anleger

  1. Rendite steigern, Risiko senken und Verfügbarkeit erhalten – es gibt in jeder einzelnen Anlage immer nur zwei dieser Merkmale.
  2. Je höher die Renditechancen, desto höher auch das Risiko.
  3. Diversifikation ist der einfachste Weg zur Begrenzung des Risikos im Portfolio.

3. Wie kann ich mein Geld anlegen?

In diesem Kapitel will ich Ihnen eine erste Orientierung über das weite Spektrum der Anlageformen geben. Natürlich gibt es zu jeder Anlageform auch weitergehende Informationen. Damit sollten Sie sich aber erst beschäftigen, wenn Sie eine grundsätzliche Vorstellung von Ihrem zukünftigen Portfolio haben.

Ein nützlicher Anhaltspunkt zur Vorauswahl ist die Risikoklasse: Sie zeigt Ihnen zusätzlich zum Risikograd auch die durchschnittlichen Renditechancen und wie viel Fachwissen Sie brauchen, um mit der jeweiligen Anlageform Erfolgschancen zu haben. Denn mangelndes Wissen ist mit das größte Risiko beim Geld-Anlegen, und dies betrifft den finanztechnischen wie den Sachbereich.

Beliebte Anlageformen und ihre Risikoklassen

Anlageform Risikoklasse Renditechancen Fachliches Know-how
Tagesgeld / Festgeld in Euro, Bundeswertpapiere 1 keine bis inflations-bedingter Wertverlust nicht notwendig bis gering
Tagesgeld / Festgeld in Fremdwährungen, Unternehmensanleihen mit guter Bonität, Offene Immobilienfonds, europäische Anleihefonds, Anleihen-ETFs, Genossenschaftsanteile 2 niedrige bis mittlere gering bis mittel
Crowdinvesting, Edelmetalle, Immobilien 2-3 mittlere mittel
Aktien, Aktienfonds, Aktien-ETFs von europäischen Standardwerten o.ä. 3 mittlere bis hohe mittel bis hoch
Aktien, Aktienfonds, Aktien-ETFs von Schwellenländern o.ä., Währungsanleihen mit mittlerer Bonität 4 mittlere bis hohe mittel bis hoch
Derivate, Geschlossene Immobilienfonds, Sammlerobjekte, Kryptowährungen 5 mittlere bis hohe sehr hoch

Anlagen von A bis Z

Aktien sind Anteile an einem Unternehmen. Ihr Wert kann stark schwanken. Gewinne – die sogenannten Dividenden – sind nicht garantiert. Im langjährigen Durchschnitt bieten sie aber gute Renditechancen.

Anleihen sind Wertpapiere, die einen festen Zins versprechen. Sie werden von Unternehmen, Staaten und Kommunen ausgegeben. Ihr Vorteil ist der feste Zins. Das wichtigste Risiko liegt in Zahlungsschwierigkeiten des Ausgebers.

Bundeswertpapiere sind deutsche Staatsanleihen 

Crowdinvesting bedeutet, sich mit geringen Summen und relativ kurzen Laufzeiten an konkreten Einzelprojekten oder -unternehmen zu beteiligen. Die Renditechancen sind oft attraktiv, doch neben dem Risiko eines Misserfolgs besteht oft ein Darlehensrisiko: Häufig sind Crowdinvestings Nachrangdarlehen, d.h. als Anleger erhalten Sie Ihr Geld erst nach allen anderen zurück – oder gar nichts, wenn wegen zu geringen Erfolgs nichts mehr übrig ist.

Derivate (auch „Termingeschäfte" genannt) sind eine Investition, mit der auf die zukünftige Entwicklung einer Aktie oder anderer Werte spekuliert wird, ohne diese Werte selbst zu kaufen. Möglich sind hohe Renditen, aber auch Totalverluste.

Edelmetalle meint in der Regel Gold, doch auch Silber und Platin werden gerne als Anlage verwendet. Profis raten zum physikalischen Kauf, denn Edelmetall-Wertpapiere unterliegen neben der eigentlichen Rohstoffpreisentwicklung zusätzlich den Wertschwankungen des börslichen Handels.

ETFs („Exchange Traded Funds") sind Fonds, die einen Index nachbilden, der für ein Land oder eine Branche als Standard gilt – wie z. B. der Deutsche Aktienindex DAX für große, deutsche Unternehmen. Besonderer Vorteil der ETFs sind die relativ geringen Kosten, da sie kein spezielles Management benötigen. Gewinn und Verlust richten sich nach der Entwicklung des jeweiligen Index.

Festgeld ist bis zu einem Termin geparktes Geld. Die Zinsen dafür sind heute vor allem im Euro-Raum minimal und liegen unter der Inflationsrate; von einigen Geldinstituten werden ab bestimmten Guthabensummen sogar Negativzinsen verlangt.

Fonds sind Anlagen, die das Kapital bereits auf mehrere Einzelwerte verteilen. Es gibt Fonds aus Aktien, Anleihen, Immobilien oder auch einer Mischung unterschiedlicher Anlageformen. Diese Diversifikation senkt das Risiko innerhalb des Fonds, kostet aber zusätzlich Geld, da Fonds ein Management benötigen; Ausnahme sind ETFs.

Genossenschaftsanteile erwerben Sie, indem Sie Mitglied werden. In einer Genossenschaft geht es um den wirtschaftlichen und sozialen Vorteil aller Mitglieder. Rechte und Pflichten sind dabei für alle gleich. Genossenschaftsanteile erzeugen eine jährliche Gewinnausschüttung, wobei die Höhe vom Gesamterfolg und der Mitgliederversammlung abhängen kann: So kann z. B. der Beschluss gefasst werden, dass ein Teil des Gewinns für notwendige Investitionen verwendet wird.

Geschlossene Immobilienfonds bedeuten, dass Sie sich als Unternehmer an einem oder wenigen Immobilienobjekten beteiligen. Während der Laufzeit ist Ihr Geld fest gebunden und den teilweise sehr guten Renditechancen stehen hohe Risiken bis hin zur Haftung mit Ihrem gesamten Privatvermögen gegenüber.

Immobilien meint hier den Erwerb realer Immobilien zur Vermietung und in Erwartung einer Wertsteigerung.

Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Tether oder Ripple sind virtuelle Währungen, mit denen nicht nur bezahlt werden kann. Man kann sie handeln und sogar neue Werte erzeugen. Die Gewinnchancen erscheinen beträchtlich, aber ebenso hoch sind die Risiken; auch ist ein weitgehendes Know-how zu Währungen und Netztechnologie nötig.

Offene Immobilienfonds investieren in eine gewisse Zahl von Immobilien und erlauben Anlegern dabei, jederzeit Anteile zu kaufen und im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen auch zu verkaufen. Je nach Qualität des Objektbestands bieten sie Gewinne aus Vermietungen, Wertzuwachs und Veräußerungen. Risiken liegen u.a. in Leerständen und Sanierungsbedarf. 

Sammlerobjekte können Kunstwerke, Oldtimer, Uhren, Weine etc. sein. Hier ist die Wertentwicklung bei den meisten Objekten kaum einschätzbar. Auch gehört ein Fachwissen auf Profiniveau zur Auswahl chancenreicher Stücke.

Tagesgeld ist Festgeld ohne Terminbindung. Es kann also praktisch jederzeit wieder mit kürzester Frist gekündigt werden. Damit ist es ideal für sehr kurzfristige Geldanlagen, aber bei Null- oder sogar Negativzins auch nur für wirklich kurze Zeiträume geeignet.

Versicherungen und Bausparverträge habe ich aus meiner Übersicht ausgeklammert, da sie eine Zweckbindung enthalten. Dies ist natürlich egal, wenn Sie Ihr Anlagebudget für genau diesen Zweck (Altersvorsorge, Baugeld) verwenden möchten. Doch damit sind sie eben auch nicht mit den genannten, allgemeinen Geldanlagen vergleichbar.

Wie die Deutschen sparen

Quelle: VUMA 2020

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4. 10, 20, 30 Jahre … wie viel Zeit brauchen Geldanlagen?

Sie kennen diese Gedanken bestimmt auch: „Wenn ich erst mal so und so viel verdiene, fange ich an, etwas zur Seite zu legen.“ oder „Wenn ich mal Kinder habe, fange ich an vorzusorgen.“ Mein Tipp: Verknüpfen Sie den Anlagestart nicht mit einem bestimmten Ereignis.  

Der beste Zeitpunkt, um Ihr Geld anzulegen, ist immer genau jetzt!

Auch wenn Sie zunächst nur mit kleinen Beträgen starten können: Je früher Ihr Kapital für Sie arbeitet, desto höher sind in der Regel am Ende die Erlöse. Wenn Sie nur kleine Beträge erübrigen können, dann empfehle ich Ihnen einen Sparplan. Hier können Sie schon ab 10 Euro monatlich investieren, die Sparraten flexibel nach oben bzw. unten anpassen – oder komplett pausieren, wenn es Ihre Finanzsituation erfordert.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist Ihr Spar- oder Anlageziel. Wenn Sie etwas fürs Alter oder die Ausbildung der Kinder ansparen möchten, werden Sie eine mittel- bis langfristige Geldanlage ins Auge fassen. Wollen Sie dagegen für eine bestimmte Anschaffung Geld ansparen, ist eine kurzfristige Anlage besser geeignet. Die Grundregel dazu lautet:

Je näher das Sparziel, desto geringer sollten die Wertschwankungen sein.

Der Grund dafür ist denkbar einfach: Auch bei starken Schwankungen stellt sich mit der Zeit meist ein Ausgleich ein. „7 Jahre" nennt eine alte Börsenregel, dann sind selbst die schlimmsten Einbrüche ausgeglichen und es ergibt sich im Durchschnitt ein Plus. Doch wenn Sie diese Zeit nicht haben, drohen schmerzhafte Verluste, falls der Kurs gerade auf Talfahrt ist. Ein paar Beispiele zur Erläuterung:

  • Kurzfristige Geldanlagen: Zum kurzfristigen „Parken" eignen sich vor allem Festgeldkonten und stabile Anleihen mit guter Bonität. Falls Sie zwei Jahre Zeit haben, sind auch Offene Immobilienfonds eine Möglichkeit.  
  • Mittelfristige Geldanlagen: Auch mit mittelfristigem Anlagehorizont sollten die Schwankungen nicht zu stark werden. Gut geeignet sind hier zum Beispiel Crowdinvestings (falls Sie das Risiko gut verteilen) sowie auf Stabilität ausgelegte Aktien-, Anleihen- und Mischfonds. 

Alle übrigen Anlageformen eignen sich hauptsächlich für langfristige Ziele. Für mittel- und vor allem langfristige Anlagen haben Profis außerdem einen Trick, den ich Ihnen hier gern verrate:

Der Ausstiegsplan

Wie schon erwähnt, können Ihnen Kurseinbrüche zum Verkaufszeitpunkt die ganze Freude rauben. Profis sichern sich dagegen ab, indem sie Anlagen mit festem Ablaufdatum vor Ende der Laufzeit schrittweise umschichten – von renditestarken, aber schwankenden Werten ins ruhige Fahrwasser werterhaltender Anlagen. Bei größeren Anlagesummen und Horizonten ab 10 Jahren kann man sich dabei schon ein Jahr Zeit lassen und z. B. in zehn Zehnteln rechnen. Zumindest zwei bis drei Monate vor dem geplanten Ablauf sollten Sie aber auf jeden Fall damit anfangen.

Unabhängig davon ist es natürlich am besten, wenn Sie an gar keinen Zeitplan gebunden sind und bei Kurseinbrüchen in Ruhe abwarten können, bis die Werte wieder besser werden.

Anlagehorizonte

  • Kurzfristige Geldanlage: bis 1 Jahr 
  • Mittelfristige Geldanlage: 1 bis 5 Jahre 
  • Langfristiges Investment: 5 Jahre und mehr

5. Mein Start als Anleger: Wie viel investieren?

Für Geldanlagen gibt es keine Unter- oder Obergrenze. Sie können mit 10 Euro pro Monat einen Sparplan starten, auf einen Schlag Ihr 1.000-Euro-Sparkonto leerräumen oder ein ganzes Vermögen anlegen – wichtig ist zunächst nur, dass Sie sich über Ihr Anlageziel, die Art Ihres Portfolios und die passenden Anlageformen klar werden.

Meine Antwort auf die eingangs gestellte Frage lautet also: Investieren Sie so viel wie möglich! Nur so können Sie den Wertverlust vermeiden, der auf dem Girokonto oder unter der Matratze unweigerlich stattfindet. Woran Sie dabei denken sollten:

  • Berücksichtigen Sie die Kosten: Abschlussprovision, Ordergebühren, Verwaltungsvergütung, Depotgebühren etc. wollen erst einmal verdient sein. Schauen Sie sich die durchschnittlichen Renditen Ihrer Wunsch-Anlagen an: Nur bei Produkten mit einer effektiven Nettorendite lohnt es sich, Geld anzulegen.  
  • Diversifizieren Sie mit Augenmaß: Dieser Wert bestimmt auch Ihre Möglichkeiten einer sinnvollen Diversifizierung: Jede einzelne Anlage in Ihrem Portfolio muss so groß sein, dass die Netto-Durchschnittsrendite zumindest den Werterhalt erwarten lässt.  
  • Bleiben Sie bei Ihren Wünschen realistisch: Bei kleineren verfügbaren Summen ist ein Sparplan, kombiniert mit einer Basisanzahlung oft der beste Weg, sich eine einträgliche Geldanlage aufzubauen.
  • Denken Sie an die Verfügbarkeit: Legen Sie nur so viel von Ihrem Geld in mittel- oder langfristige Finanzprodukte an, wie Sie auch längere Zeit problemlos entbehren können. Ein „Notgroschen" in vielversprechenden Aktien nutzt Ihnen gar nichts, wenn Sie in einem Notfall mit Verlust verkaufen müssen. Im Schnitt empfehle ich Ihnen, als schnell verfügbare Reserve zwei bis drei Nettoeinkommen z. B. auf einem Tagesgeldkonto zu halten.

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Die geheimen Vorteile eines Sparplans

Sparpläne bieten als Geldanlage eine ganze Reihe von Vorteilen – und nicht alle sind gleichermaßen bekannt und offensichtlich. Ich verrate Ihnen die wichtigsten:

  • Sie können schon mit geringen Monatsbeiträgen in attraktive Geldanlagen investieren.
  • Sparpläne erfordern keinen Aufwand – die monatliche Einzahlung wird einfach per Dauerauftrag vom Girokonto abgebucht. Dabei ist in der Regel eine Zahlpause jederzeit möglich.
  • Sparpläne können mit Einmalzahlungen kombiniert werden. So bleiben Sie jederzeit flexibel und können Ihre Geldanlage auch zwischendurch aufstocken.
  • Fondssparpläne gleichen Kursschwankungen aus: Steigt der Kurs, steigt auch der Wert Ihrer Anlage. Fällt der Kurs dagegen, so kaufen die regelmäßigen, festen Zahlungen mehr Anteile. Wenn der Kurs dann wieder steigt, geht es durch die höhere Anteilsmenge gleich viel kräftiger nach oben.
  • Sparpläne bremsen Panikattacken: Zum einen sind sie selbst dann noch vorteilhaft, wenn die Kurse fallen (siehe der vorige Punkt). Zum anderen verringern sie bei Krisen im Kapitalmarkt die Gefahr von Kurzschlusshandlungen, denn „man hat ja einen Plan".

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Sparen für die Kinder: Was rentiert sich heute noch?

Ein wichtiges Motiv, Geld anzulegen, ist für viele Eltern, Großeltern und andere Angehörige eine Zukunftssicherung für Kinder in der Familie. Leider wirft die beliebteste Anlageform dazu – das klassische Sparbuch – praktische keine Zinsen mehr ab. Dadurch hat es auch seinen pädagogischen Effekt verloren. Zwar gibt es extra Sparbuchangebote für Kinder, die bereits in frühem Alter für Kundenbindung sorgen sollen. Wenn Sie ein solches Sparbuch auf den Namen Ihres Kindes anlegen, können Sie mit Zinsaufschlägen oder Bonuszahlungen rechnen. Allerdings gelten diese Angebote meist nur bis zu einer bestimmten Summe.

Ansonsten rate ich Ihnen, Ihr Kapital in einem Fondssparplan für Kinder anzulegen – je früher, desto besser. Bei diesem Anlagehorizont können Sie auf langfristige Geldanlagen setzen und das Vermögen mit den Jahren wachsen lassen. Sehr genau unter die Lupe nehmen sollten Sie Preis und Leistung von speziellen Kinderschutzbriefen und Ausbildungsversicherungen:  

  • Was wird versichert?
  • Gegen welches Risiko sichere ich mich und mein Kind ab?
  • Was ist der Preis für Absicherung dieses Risikos?
  • Bin ich bereit, diesen Preis für die Risikoabsicherung zu bezahlen?

Laut Stiftung Warentest sind sie häufig mit hohen Kosten verbunden, doch ohne nennenswerte Rendite. Genau genommen handelt es sich dabei um Versicherungen mit Kapitalelementen, die wie alle Kombinationsprodukte oft schlechte Konditionen bieten.

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6. Die praktische Seite des Geld-Anlegens: Worauf Sie außerdem achten sollten

Heutzutage gibt es einige Absicherungen für Anleger wie z.B. die sogenannte Einlagensicherung, die in Bankenkrisen die Gläubiger von Kreditinstituten vor dem Verlust ihrer Bankguthaben bewahren soll. Bei Investmentfonds wie Immobilienfonds gelten hingegen die angelegten Gelder nach dem Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) als Sondervermögen. Im Falle einer Aussetzung eines Offenen Immobilienfonds (nicht zu verwechseln mit Geschlossenen Fonds) haften private Investoren nicht mehr mit ihrem Vermögen.

Damit Anleger quasi schon “auf den ersten Blick” die Chancen und Risiken eines Finanzprodukts erkennen und Anlageprodukte ggf. für sich ausschließen könne, müssen alle für die Anlageentscheidung wichtigen Sachverhalte eines jeden Produktes zusammengefasst für die künftigen Investoren zur Verfügung gestellt werden. Im Fondsbereich spricht man von “Wesentlichen Anlegerinformationen” (WAI). Sie sollen dem Neu-Anleger bereits vorab die Möglichkeit geben, sich zu schützen bzw. selbst zu entscheiden, wie weit ins Risiko gegangen werden soll.

Zudem sieht das Gesetz verschiedene Prüfpflichten vor, wenn es um den Erwerb von Finanzanlageprodukten geht. Geschieht dies im Rahmen einer regelgerechten Beratung beim Bankberater, muss eine Geeignetheitsprüfung erfolgen. Der Berater muss sicherstellen, dass das Produkt, das verkauft wird, zum sonstigen Portfolio des Kunden passt und das es dessen Risikoneigung entspricht. Wird das Produkt nur vermittelt (nicht beraten), muss zumindest eine sogenannte Angemessenheitsprüfung erfolgen. Der potentielle Anleger muss gefragt werden, welche Erfahrungen er bereits mit Wertpapieren hat etc. Dies dient auch der Bewusstmachung, da der Kauf sozusagen auf eigene Gefahr stattfindet.

Wie lassen sich Fehler vermeiden? Was rät der Experte in Sachen Geld anlegen?

Ratings – Ihr Navi zum richtigen Anbieter und Wertpapier

Wie finden Sie die richtige Adresse für Ihr Geld? Banken und Investmentgesellschaften gibt es viele, und die Menge der Wertpapiere jeder Art kann überwältigend wirken. Um überhaupt eine Zielvorstellung zu bekommen, können Sie sich im Bekanntenkreis umhören, Berichte in Finanzmedien lesen und ein wenig im Internet surfen. Vielleicht konsultieren Sie auch einen – möglichst unabhängigen – Berater. Dies alles sind legitime Methoden, sich Orientierung zu verschaffen.  Zwei Punkte sollten Sie aber auf jeden Fall beachten:

  • Diversifikation hilft auch bei Beratung: Halten Sie sich nie nur an eine Quelle. Sobald Sie das Feld des Möglichen einigermaßen eingegrenzt haben, informieren Sie sich gezielt und an mehreren Stellen über die Anbieter und Anlagen, die für Sie in Frage kommen. Besonders wichtig sind dabei: 
  • Ratings als objektiver Gradmesser: Ratings stufen einzelne Wertpapiere, aber auch Banken, Investmenthäuser und ganze Staaten nach ihrer Kreditwürdigkeit und Zahlungsverlässlichkeit ein. Ein gutes Rating ist ein verlässlicher Hinweis auf eine lohnende Geldanlage. Bekannte Ratingagenturen sind z. B. Standard&Poor (S&P), Moody's, Fitch, DBRS, Scope, GBB-Rating, Fondsconsult und noch viele weitere.

Zusätzliche Orientierung bieten die gesetzlich vorgeschriebenen Anlegerinformationen. Auch wenn es mühevoll ist, empfehle ich Ihnen, diese Informationen genau zu lesen, wenn Sie eine Vorauswahl für Ihre Geldanlage getroffen haben. Hier sollten die Chancen und Risiken des jeweiligen Finanzprodukts leicht erkennbar aufgeführt sein. Übrigens macht Übung auch hier den Meister: Wenn Sie beim ersten dieser Texte noch ins Stocken kommen, wird der zweite und dritte Ihnen schon leichter verständlich erscheinen.

Das Depot – ein Konto für Geldanlagen

Nun haben Sie vielleicht schon eine Vorstellung gewonnen, wie Sie Ihr Geld anlegen möchten. Doch wohin dann mit dem "Schatz"? Früher waren Aktien und andere Finanzinstrumente echte, meist aufwändig gestaltete Papiere. Sie wurden zu Hause oder in der Bank in einem Safe gelagert. Aus letzterem Bereich kommt auch der Fachausdruck für ihre Unterbringung: das Depot.

Heute ist ein Depot im Prinzip nichts anderes als ein Konto für Wertpapiere. Die meisten Banken, Sparkassen und sonstigen Finanzinstitute bieten Depots an – selbst wenn Sie dort bisher kein Kunde sind. Nicht immer, aber oft kosten Depots auch Gebühren. Es lohnt sich also, nach günstigen Angeboten zu suchen. Als erste Anlaufstelle empfehle ich Ihnen dazu Ihre Hausbank oder das Finanzinstitut, von dem Sie die Anlage erwerben. Für eigene Kunden gibt es dort oft Sonderkonditionen.

Mein Fazit

Geld anlegen?

Wie man es dreht und wendet – Geld, das nur "herumliegt" und nicht arbeiten kann, verliert über die Jahre mit Sicherheit an Wert. Zumindest diesen Wertverlust können Sie vermeiden! Auch gibt es heute viele Wege zum Ziel, und einige sind bedeutend einfacher zu „bedienen" als zum Beispiel ein moderner Neuwagen. Suchen Sie sich vor allem eine Geldanlage, die zu Ihnen passt – finanziell und auch vom Know-how her. Fangen Sie so einfach an, dass Sie immer das Gefühl haben, die Sache im Griff zu behalten: mit einer Anlage, die Sie verstehen. Bei einem Anbieter, dem Sie vertrauen können. Mit einer Summe, die Sie eine Weile entbehren können. Und mit einem Risiko, bei dem Sie selbst unter ungünstigen Umständen noch ruhig bleiben können.

Wenn Sie weiter in Ihr Finanz-Know-how „investieren" möchten, empfehle ich Ihnen die nachstehenden Beiträge. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und gutes Gelingen bei Ihrer Geldanlage.

Bildquellen dieser Seite: jeffbergen/istockphoto.com

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Zuletzt aktualisiert am
30. September 2020

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