Mein SparbuchAbschied von einem Bestseller

05.04.2022 3 Minuten Lesezeit

Porträtbild von hausInvest Ratgeberautor Thomas Henrich
Thomas Henrich
hausInvest Ratgeber-Autor
Ein Großvater mit weißen Haaren im karierten Hemd sitzt mit seiner dunkelhaarigen Enkelin in einem rosa Cardigan am Tisch und hilft ihr, die Münzen aus ihrem rosa Sparschwein zu zählen.

Inhalt

Es war klein, rot und trug einen in Gold geprägten Aufdruck: „SPARBUCH". Der Großvater hatte es mir geschenkt, zum 10. Geburtstag, wenn ich mich recht erinnere. Als Highlight hatte er zehn Mark einbezahlt, verbunden mit der geheimnisvollen Andeutung, dass diese Summe sich alsbald auf wundersame Weise steigern würde. Natürlich sollte ich auch selbst fleißig sparen. Aber es gebe auch eine Belohnung von der Bank, „Zinsen" genannt. 

Zinsen waren nicht nur Geld

Mir war von Anfang an klar: Das war nicht irgendein Buch. Es war das Versprechen zukünftigen Wohlstands. Es roch nicht nach großem Geld oder verschwenderischem Reichtum. Aber es fühlte sich nach Beständigkeit an, nach dem Versprechen, dass da immer etwas sein würde, so lange dieses Büchlein da war. 

Angenehme Rituale waren mit dem Büchlein verbunden. Zwei Mal im Jahr wurde es aus der Metallkassette befreit und zur Bank getragen. Am Weltspartag wurde das Sparschwein geleert, und in der Bank gab es kleine, nützliche Geschenke für den Schulalltag

Anfang Januar dann wurde die „Belohnung" eingetragen – ein paar Mark mehr jedes Jahr selbst für die bescheidenen Sparbemühungen eines Schülers. Das Gefühl dabei war immer ein ganz besonderes. Denn Zinsen waren keine Geschenke, das hatte ich schon früh verstanden. Sie waren ein untrüglicher Leistungsbeweis, im Grunde das erste, selbst verdiente Geld.  

Der unsichtbare Verlust

Heute ist das Büchlein schon lange verschwunden – zuerst herzlos mit ein paar sternförmigen Stanzlöchern entwertet, irgendwann geschreddert im Müll. Die Einträge und alles andere wurden auf elektronische Kontoführung umgestellt. Von da an gab es nur noch ein paar Zahlen auf dem Bildschirm. Und dann wurde die „Belohnung" immer kleiner. Zinsen – das gibt es heute nicht mehr.  

Mit den Zinsen ist aber nicht nur die Freude an der Belohnung verschwunden. Viel einschneidender ist der unsichtbare Verlust. Denn Geld, das nur „herumliegt", verliert unweigerlich an Wert. Dabei täuschen die Zahlen doppelt: Auf dem Konto steht ja weiterhin dieselbe Summe. Und der Wertverlust, die Inflation, wird allenthalben als „zu niedrig" bezeichnet.  

Leider ist beides falsch. Die „zu niedrige" Inflation ist lediglich ein Rechenwert. Der reale Wertverlust unter Einbezug aller Alltagskosten ist deutlich höher. Für ein heutiges Guthaben von zehn Euro kann man in zehn Jahren nur noch für etwas über sechs Euro einkaufen. 

Nostalgie trägt keine Zinsen

Es hilft alles nichts: Wer heute sein Erspartes wenigstens im Wert erhalten will, muss sich nach anderen Möglichkeiten umschauen. Auf Nostalgie gibt es leider keine Zinsen. Der Vorteil ist, dass sich das bei Banken und Investmentfachleuten herumgesprochen hat. Wer sich von Sparbuch, Fest- und Tagesgeld verabschieden will, muss sich nicht gleich ins Spielcasino setzen. Die Finanzwirtschaft kommt den Sparern heute mit soliden Angeboten entgegen.  

Völlige Sicherheit versprechen diese Angebote nicht; das wäre unehrlich. Die Sicherheit eines Werterhalts gibt es ja auch beim Sparkonto nicht mehr. Aber es gibt Geldanlagen, die in punkto Wachstum und Beständigkeit dem Sparbuch nicht viel nachstehen. Und es gibt andere Arten der Risikoreduzierung: zum Beispiel die intelligente Verteilung des Kapitals auf mehrere Werte und Säulen. Oder die Verankerung durch Sachwerte wie Immobilien.  

All das ist nicht immer einfach zu durchschauen. Doch ich nehme mir gern ein Beispiel an den eigenen Kindern: Wenn etwas unklar ist, liefert heute das Smartphone garantiert in kürzester Zeit ein paar Antworten, sogar fürs Sparen. 

Über den Autor

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Thomas Henrich
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Im Netz kursieren manchmal schwer verdauliche Definitionen aus unterschiedlichen Quellen. Grundlegendes Fachwissen, einfach und kompakt erklärt, ist hingegen selten anzutreffen. Mit meinen Beiträgen möchte ich Ihnen zunächst das Basiswissen vermitteln und Sie im Anschluss dazu einladen, gemeinsam darauf aufzubauen. Dabei bediene ich mich vieler anschaulicher Beispiele aus meiner über 20-jährigen Erfahrung im Commerzbank Konzern und erkläre komplexe Sachverhalte mithilfe von Grafiken und Vergleichen.

Mein Wunsch ist es, Sie mit profundem Wissen auszustatten. Das Thema „Finanzielle Allgemeinbildung“ ist seit vielen Jahren etwas, wofür ich mich tatkräftig engagiere. Das Ziel ist es, dass Sie am Ende eigenständig die richtige finanzielle Entscheidung für Ihr Leben treffen können.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!